Der niederländische Chipausrüster ASML gilt als das Rückgrat der modernen Halbleiterfertigung, und derzeit spricht vieles dafür, dass die Wachstumsgeschichte in eine neue Phase eintritt. Das Unternehmen legte für das zweite Quartal starke Zahlen vor und hob zugleich seine Prognose an.
Getragen wird die Entwicklung vom anhaltenden Boom rund um künstliche Intelligenz, der die Nachfrage nach modernster Fertigungstechnik weiter anheizt. Trotzdem notiert die Aktie deutlich unter ihren jüngsten Höchstständen und verlor zuletzt rund 15 Prozent, was für optimistische Beobachter eine Einstiegsgelegenheit darstellen könnte.
Bewertung auf normalisiertem Niveau
Ein zentrales Argument ist die Bewertung. Das auf die künftigen Gewinne bezogene Kursverhältnis ist auf knapp 30 gefallen und liegt damit unter dem Fünfjahresschnitt. Noch vor Kurzem hatte dieser Wert bei rund 45 gelegen, ein Niveau, das viel Optimismus voraussetzte. Der Rücksetzer hat die Erwartungen also auf ein bodenständigeres Maß zurückgeführt, während die zugrunde liegende Nachfrage weiter kräftig ausfällt. Wichtig für die Einordnung: Bis zur vergangenen Woche lag das Papier auf Jahressicht noch fast 150 Prozent im Plus.
Doppelter Rückenwind aus Logik und Speicher
Operativ profitiert ASML gleich von zwei Seiten. Die besonders leistungsstarken High-NA-EUV-Systeme, mit denen sich feinste Strukturen auf Chips drucken lassen, gewinnen an Schwung und machen inzwischen mehr als 15 Prozent des gesamten EUV-Umsatzes aus. Ein einzelnes dieser Geräte kostet mehr als 350 Millionen Euro. Parallel treiben die Speicherchiphersteller die Nachfrage, weil KI-Modelle immer mehr Speicherkapazität und Bandbreite verlangen. Speicher steht mittlerweile für über 40 Prozent der Nettosystemumsätze. Für das laufende Jahr peilt das Unternehmen 65 EUV-Auslieferungen an.
Asml Aktie Chart
China bleibt ein zweischneidiges Thema
Ein Blick nach China zeigt zwei Seiten derselben Medaille. Einerseits stellt das Land nach wie vor rund 20 Prozent des Jahresumsatzes und legt bei den etwas älteren DUV-Systemen weiter zu. Andererseits arbeitet ein von der Regierung gestütztes Unternehmen mit Sitz in Shanghai laut einem Bericht inzwischen selbst an fortschrittlichen Lithografiemaschinen. Auf diese Meldung hin gab die Asml-Aktie zeitweise um fünf Prozent nach.
Die chinesische Technik steckt allerdings noch in einem frühen Stadium: Geplant sind zunächst fünf solcher Maschinen in diesem und bis zu 20 im kommenden Jahr, während eigene EUV-Anlagen weiterhin im Prototypenstadium verharren und Jahre von der Serienreife entfernt bleiben dürften. Der technologische Vorsprung von ASML bleibt vorerst also intakt.
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