Asml hat seine Jahresprognose zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 44–45 Milliarden Euro und eine Bruttomarge von etwa 56 Prozent. Der beschleunigte Ausbau der KI-Infrastruktur treibt die Nachfrage nach fortschrittlicher Halbleiterausrüstung.
Für Anleger liegt die zentrale Botschaft damit nicht allein im höheren Umsatzausblick. Entscheidend ist auch, wie viel Gewinn ASML aus der starken Nachfrage erzielen kann. Die jüngsten Analysteneinschätzungen sprechen für steigende Gewinnerwartungen, aber nicht für ein einheitliches Urteil über die Bewertung der Aktie.
UBS erwartet höhere Gewinnschätzungen
UBS rechnet nach den Quartalszahlen damit, dass die Konsensschätzungen für ASMLs Gewinn je Aktie in den Jahren 2027 und 2028 um 5–10 Prozent steigen. Die Bank bestätigt ihre besonders nachdrückliche Kaufempfehlung „Conviction Buy“.
Nach Einschätzung der Analysten entsprachen die Ergebnisse weitgehend den Erwartungen professioneller Investoren. Zugleich schnitt ASML beim operativen Gewinn besser ab als vom Marktkonsens erwartet. Diese Unterscheidung ist wichtig: Gute Zahlen können bereits erwartet worden sein und trotzdem Spielraum für höhere künftige Gewinnschätzungen schaffen.
Konkret lag das EBIT laut UBS rund 5 Prozent über dem Marktkonsens. Der Mittelpunkt der EBIT-Prognose für das Schlussquartal übertraf die entsprechende Konsensschätzung um rund 7 Prozent.
Die positive Einschätzung stützt sich damit sowohl auf das abgeschlossene Quartal als auch auf den Ausblick. Sie ist allerdings eine Erwartung der Bank: Die von UBS vorausgesagten höheren Gewinnschätzungen sind noch keine gemeldeten Geschäftsergebnisse.
Kursziele zeigen unterschiedliche Maßstäbe
Nicht alle Analysten reagieren mit höheren Zielmarken. Andere Institute hoben ihre Ziele an, während einzelne Häuser ebenfalls Kürzungen vornahmen.
Das widerspricht der besseren operativen Prognose nicht zwangsläufig. Eine Gewinnschätzung und ein Kursziel beantworten unterschiedliche Fragen: Die eine betrifft die erwartete Geschäftsentwicklung, das andere die daraus abgeleitete Bewertung der Aktie. Aus den jüngsten Änderungen lässt sich deshalb keine einheitliche Neubewertung nach oben ableiten.
Das dritte Quartal 2026 liefert den wirtschaftlichen Hintergrund. ASML erzielte einen Nettoumsatz von 11,662 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 4,960 Milliarden Euro.
Die starke KI-Nachfrage ist dabei nicht mit einer flächendeckenden Erholung des Halbleitermarktes gleichzusetzen. ASML zufolge bremsen schwächere Geschäfte mit Chips für Unterhaltungselektronik und Autos weiterhin die Investitionen außerhalb des KI-Bereichs. Das Wachstum bleibt somit innerhalb der Branche ungleich verteilt.
China bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Zusätzliche Bedeutung erhält die Exportpolitik: Im dritten Quartal entfielen 23 Prozent der Systemverkäufe auf China, nach 14 Prozent im Vorquartal. Mögliche weitere Exportbeschränkungen bleiben damit ein relevanter Risikofaktor.
Für Anleger ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Die angehobene Jahresprognose und die von UBS erwarteten Gewinnrevisionen stärken die operative Perspektive. Unterschiedliche Kurszieländerungen und die politischen Risiken mahnen zugleich, Geschäftswachstum nicht automatisch mit zusätzlichem Kurspotenzial gleichzusetzen. Der wichtigste Maßstab bleibt, ob ASML die höheren Erwartungen tatsächlich in Umsatz und Gewinn umsetzt.
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