Ein Konzern hebt seine Jahresprognose kräftig an, meldet Rekordzahlen und schickt gleichzeitig seine Aktie auf Talfahrt. Bei Asml klaffen operative Stärke und Kursreaktion gerade weit auseinander. Der Grund liegt nicht in den eigenen Zahlen, sondern in einer Meldung aus China.
Von Rekordquartal zu Kursrutsch
Am 15. Juli hatte ASML für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro vorgelegt. Die Bruttomarge kletterte auf 54 Prozent, über der eigenen Zielspanne. Von 86 verkauften Lithographie-Systemen entfielen 3,8 Milliarden Euro allein auf die fortschrittlichen EUV-Anlagen.
Das Management reagierte mit einer deutlichen Anhebung der Jahresprognose. Statt der ursprünglich in Aussicht gestellten 36 bis 40 Milliarden Euro rechnet der Vorstand nun mit 43 bis 45 Milliarden Euro Umsatz für 2026, bei einer Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent. Für das dritte Quartal wird ein Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro erwartet – getragen von langfristigen Verträgen der Chiphersteller, die sich angesichts des Rechenzentrums-Booms für Künstliche Intelligenz Fertigungskapazitäten sichern wollen.
Auch das Servicegeschäft lieferte einen soliden Beitrag: Das sogenannte Installed Base Management brachte 2,8 Milliarden Euro ein, rund 300 Millionen Euro über den Erwartungen der Analysten. Für 2027 plant ASML eine Kapazitätsausweitung um 30 Prozent, eine weitere Aufstockung für 2028 wird intern geprüft.
China sorgt für Nervosität
Trotz dieser Zahlen brach die Aktie am Montag ein. Zeitweise verlor sie rund sieben Prozent, zum Handelsschluss stand ein Minus von 8,5 Prozent auf der Kurstafel – der Schlusskurs fiel auf 1.429,80 Euro, den tiefsten Stand seit einem Monat. Auslöser war ein Bericht über Fortschritte Chinas bei eigener Chip-Fertigungstechnik.
Parallel zu dieser Meldung ging ChangXin Memory Technologies (CXMT) in Shanghai an die Börse und sammelte umgerechnet knapp 9,3 Milliarden US-Dollar ein. Die Aktie legte am ersten Handelstag um 465,82 Prozent zu, bevor am zweiten Tag ein Rücksetzer von 4,08 Prozent folgte. Zeitgleich wurde bekannt, dass ein staatlich gestütztes Unternehmen aus Shanghai mit der Serienfertigung eigener Immersions-DUV-Lithografieanlagen begonnen hat.
Die ersten Maschinen sollen noch in diesem Jahr an SMIC, Hua Hong und CXMT gehen – geplant sind rund fünf Einheiten 2026 und eine Steigerung auf etwa zwanzig 2027. Zum Vergleich: ASML lieferte im vergangenen Jahr rund 130 Immersionsanlagen aus und hält im globalen Immersionsgeschäft einen Marktanteil von etwa 98,7 Prozent.
Ein unmittelbarer Angriff auf diese Position ist der chinesische Vorstoß damit noch nicht – einzelne Komponenten stammen weiterhin von japanischen Zulieferern, und das Leistungsniveau bleibt hinter den ASML-Systemen zurück. Ob aus dem symbolischen Fortschritt ein strukturelles Gegengewicht wird, hängt davon ab, wie schnell sich die Stückzahlen von fünf auf zwanzig Einheiten tatsächlich steigern lassen und ob auf die ersten Testläufe weitere Bestellungen folgen.
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