ASML Aktie: Quartalsbericht am 15. Juli

Analysten erhöhen die Kursziele für ASML, während geopolitische Risiken und eine hohe Bewertung die Anleger verunsichern.

Auf einen Blick:
  • Analysten erhöhen massiv die Kursziele
  • Geopolitische Risiken belasten die Stimmung
  • Quartalszahlen am 15. Juli mit Spannung erwartet
  • Hohe Bewertung bleibt ein Risikofaktor

Kursziel-Erhöhungen im Wochentakt, ein Kurssturz mitten in der Woche, dann die Kehrtwende binnen 48 Stunden. Bei Asml tobt gerade ein Nervenkrieg zwischen Analysten-Euphorie und geopolitischer Unsicherheit. Am 15. Juli entscheidet sich, welche Seite recht behält.

Die Aktie des niederländischen Chipausrüsters schloss am Freitag bei 1.574,20 Euro, ein Minus von 0,51 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 3,30 Prozent zu Buche. Der Blick auf die längere Frist relativiert das: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 59,28 Prozent zugelegt, binnen zwölf Monaten sogar 128,94 Prozent.

Analysten überbieten sich mit Kurszielen

Deutsche Bank bestätigte in dieser Woche ihre Kaufempfehlung für ASML, kurz vor der Zahlenvorlage. Das reiht sich ein in eine ganze Serie bullischer Analystenreaktionen. Morgan Stanley erhöhte am 7. Juli sein Kursziel von 1.660 auf 1.830 Euro und bestätigte „Buy“. J.P. Morgan zog mit einer eigenen Kaufempfehlung nach.

Am auffälligsten war der Schritt von Bernstein-Analyst David Dai. Er hob sein Kursziel um 33 Prozent an, von 1.971 auf 2.623 US-Dollar, und begründete dies mit erwarteten Mehrverkäufen durch die KI-Nachfrage. Der Analystenkonsens an der Wall Street fällt entsprechend eindeutig aus: Acht Kaufempfehlungen der vergangenen drei Monate ergeben ein „Strong Buy“-Rating.

Eine Woche mit heftigen Ausschlägen

Zwischen diesen positiven Meldungen lag ein handfester Schock. Am 7. Juli brachen enttäuschende vorläufige Quartalszahlen von Samsung Electronics die Stimmung. Der südkoreanische Speicherchip-Riese meldete zwar hohe Gewinne, verfehlte aber die hohen Erwartungen des Sektors deutlich.

Verschärft wurde der Ausverkauf durch geopolitische Sorgen. Die niederländische Regierung schloss sich einer von den USA angeführten Allianz an, die ihre Exportbeschränkungen verschärft. Regulatoren wollen die Verbote nun über EUV-Scanner hinaus auf DUV-Lithografiesysteme und Wartungsverträge ausweiten. Damit steht rund ein Fünftel der für China geplanten Systemumsätze von ASML auf dem Spiel.

Nur zwei Tage später drehte die Stimmung komplett. Am 9. Juli sprang die Aktie nach oben, weil weltweit Speicherchip-Hersteller ihre Investitionsbudgets für ASML-Systeme bis 2027 bestätigten. Institutionelle Analysten reagierten mit weiteren Kurszielanhebungen und verwiesen auf eine ungewöhnlich starke langfristige Nachfrage nach Lithografiemaschinen. Bernstein und Morgan Stanley zählten zu den Häusern, die ihre Prognosen bis 2028 nach oben korrigierten.

Die Bewertung bleibt ein Risiko

Trotz des Analysten-Chors bleibt die Bewertung ein Streitpunkt. ASML notiert deutlich über seinen historischen Multiplikatoren. Manche Beobachter sehen dadurch kaum noch eine Sicherheitsmarge – die Aktie reagiert entsprechend empfindlich auf jede Änderung bei KI-Investitionsbudgets oder makroökonomische Störfeuer.

Hinzu kommt ein technisches Detail aus der Fertigung: Führende Chip-Hersteller, darunter TSMC, sollen die Einführung von ASMLs neuester High-NA-EUV-Generation verschoben haben. Kunden bevorzugen offenbar günstigere Alternativen gegenüber sofortigen Anlagen-Upgrades.

Was die Zahlen am 15. Juli zeigen müssen

Die Aktie notiert derzeit 9,94 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das sie am 30. Juni erreichte. Gleichzeitig liegt sie klar über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.477,77 Euro und ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 1.166,58 Euro. Das zeigt: Der mittelfristige Aufwärtstrend ist intakt, kurzfristig wird aber Gewinnmitnahme diskutiert.

Der Quartalsbericht am 15. Juli muss nun liefern, was die Analysten bereits eingepreist haben. Investoren erwarten konkrete Aussagen zum Auftragsbestand für 2027, sowohl bei EUV- als auch bei DUV-Lithografielinien. Die Frage nach den China-Exportbeschränkungen dürfte dabei bis zur Zahlenvorlage der entscheidende Stimmungsfaktor bleiben.

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