Asml geriet gestern im Sog des weltweiten Halbleiter-Ausverkaufs unter Druck und verzeichnete eine Tagesveränderung von -5,0%. Auslöser waren Intels enttäuschender Umsatzausblick und neue Sorgen über die Kosten der KI-Infrastruktur nach Amazons Ergebnissen. Damit rückte die Rentabilität der hohen Technologieinvestitionen in den Vordergrund – nicht eine neue Geschäftswarnung von ASML.
Zweifel an den Erträgen der KI-Investitionen
Reuters zufolge belastete Intels schwächer als erwartete Umsatzprognose die Chipbranche. Hinzu kam die Warnung, in diesem Jahr keinen positiven Cashflow zu erzielen. Amazons Ergebnisse verstärkten zugleich die Bedenken der Anleger gegenüber Kosten und Erträgen des KI-Ausbaus.
Für ASML ist dabei eine Unterscheidung entscheidend: Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der KI-Investitionen sind nicht gleichbedeutend mit einem bereits gemeldeten Rückgang der Nachfrage nach den eigenen Anlagen. Der gestrige Verkaufsdruck entstand im Branchenumfeld. Die jüngsten Unternehmenszahlen zeichnen einen anderen Ausschnitt der Lage.
Geschäftsausblick bildet den Gegenpol
Am 14. Oktober meldete ASML für das dritte Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 11,7 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erreichte 5,0 Milliarden Euro.
Diese Ergebnisse stehen neben der grundsätzlichen Börsenfrage, wie dauerhaft die Kunden ihre hohen Investitionen fortsetzen können. Ein starkes Geschäft und Zweifel an den langfristigen Erträgen der Kunden schließen sich nicht aus.
Für das vierte Quartal 2026 stellte ASML einen Nettoumsatz zwischen 14,2 Milliarden und 15,2 Milliarden Euro in Aussicht.
Die Prognose ist damit ein wichtiger Gegenpol zur angespannten Branchenstimmung. Sie bleibt allerdings eine Erwartung des Unternehmens und ist noch kein erzielter Umsatz.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartete ASML einen Nettoumsatz von 44 Milliarden bis 45 Milliarden Euro.
Langfristige Nachfrage ist kein kurzfristiger Schutz
Reuters berichtete vor rund zwei Wochen von Kundeninteresse an Bestellungen für 2029 und 2030. CEO Christophe Fouquet erklärte damals, die geplanten Kapazitätserhöhungen würden nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken.
Solche Aussagen liefern einen längerfristigen Nachfragekontext. Sie beantworten aber nicht die Frage, welche Renditen die Kunden mit ihren KI-Investitionen erwirtschaften werden. Genau diese Sorge prägte den jüngsten Ausverkauf.
Auch die von Elon Musk am 21. Oktober beschriebenen beschleunigten Lieferungen von ASML und weiteren Ausrüstern für das Terafab-Projekt sind entsprechend einzuordnen. Die Aussage war keine ASML-Mitteilung über einen bestätigten Auftrag. Den angestrebten Produktionshochlauf bezeichnete Musk zudem als äußerst ambitioniert.
Für Anleger stehen somit zwei Ebenen nebeneinander: ASMLs konkrete Geschäftserwartungen und die branchenweiten Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des KI-Ausbaus. Gestern dominierte an der Börse die zweite Ebene.
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