Morgen legt Asml Quartalszahlen vor, und die Frage ist nicht, ob sie gut werden. Die Frage ist, ob sie gut genug sind für eine Aktie, die in diesem Jahr schon rund 70 Prozent zugelegt hat und mit dem 49-Fachen der für 2027 geschätzten Gewinne bewertet wird.
Alle erwarten Schlag auf Schlag
Mehdi Hosseini von Susquehanna bringt es auf den Punkt: ASML werde die Erwartungen übertreffen und die Prognose anheben. Kapazitäten bis Ende 2027 womöglich bereits ausgebucht. Das klingt nach Traumszenario, und für ASML ist es das wohl auch. LSEG-Schätzungen sehen für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 2,61 Mrd. EUR, Umsatz von 8,8 Mrd. EUR, plus 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dazu dürfte eine Anhebung der Jahresprognose kommen, die bislang bei 36 bis 40 Mrd. EUR liegt.
Javier Correonero von Morningstar geht noch weiter. Das 2030-Ziel von mindestens 44 Mrd. EUR sei „überholt”, sagt er, und rechnet selbst mit 60 Mrd. EUR Umsatz bis dahin. Das ist kein kleiner Aufschlag.
Der einzige Hersteller weltweit
ASML baut die einzigen EUV-Lithographiesysteme der Welt, 300-Millionen-Dollar-Maschinen, ohne die moderne KI-Chips schlicht nicht existieren. Jede braucht rund ein Jahr Bauzeit. CEO Christophe Fouquet hatte im April betont, ASML wolle nicht wieder zum Engpass werden wie während der Pandemie. Geplant sind 60 Auslieferungen in diesem Jahr, 80 im nächsten. Theoretisch seien bis zu 90 drin, ohne neue physische Kapazitäten. JPMorgan-Analysten glauben sogar an 110. Für alles darüber hinaus, so ASML selbst, suche man „kreative Wege”: Upgrades älterer Anlagen, schnellere Montage, zügigere Installation. Zeiss liefert Linsen und Spiegel, Trumpf die Hochleistungslaser. Trumpf-Sprecher Manuel Thoma: „Wir sind voll darauf vorbereitet, die EUV-Nachfrage von ASML in den nächsten drei Jahren zu bedienen.”
China und die US-Gesetze
Der Haken, und der ist nicht klein: Ein geplantes US-Gesetz würde Verbündete verpflichten, sich den amerikanischen Exportkontrollen anzuschließen. ASML steht namentlich in dem Entwurf. Das Unternehmen betont, keine fortschrittlichen EUV-Anlagen nach China zu verkaufen. Dennoch macht China bis zu 20 Prozent des Umsatzes aus, über legale Käufe älterer DUV-Systeme. Fällt dieses Geschäft weg, ist das keine Kleinigkeit.
49-faches KGV, und dann?
KBC-Analyst Thomas Couvreur sagt, ein Großteil des Potenzials sei bereits eingepreist, und bleibt bei „Halten”. ING-Analyst Marc Hesselink sieht das anders: Starke Zahlen kombiniert mit weiterem Kapazitätsausbau könnten eine Aufholbewegung stützen, denn gegenüber dem Philadelphia Semiconductor Index hat ASML in diesem Jahr bislang underperformt.
Morgen wissen wir mehr. Und wer von beiden recht hat, entscheidet sich nicht an den Zahlen selbst, sondern an dem, was Fouquet danach sagt.
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