Die EU plant offenbar, Asml stärker an die Leine zu nehmen. Brüssel arbeitet an einem „European Chips Act 2.0″, der der Kommission Notfallbefugnisse über kritische Halbleiterlieferketten geben soll. Für den Weltmarktführer bei Lithografieanlagen bedeutet das: mehr staatliche Einflussnahme, mehr Komplexität.
Brüssel will Durchgriff auf die Chipfabrik Europas
Der Plan ist konkret. Die EU-Kommission soll laut Berichten vom 28. Mai die Möglichkeit erhalten, Lieferketten direkt zu überwachen und in Krisenzeiten einzugreifen. ASML steht dabei im Zentrum — kein anderes Unternehmen kontrolliert mit rund 90 Prozent Marktanteil im Lithografiebereich so viel kritische Infrastruktur.
Der Hintergrund: Die Lieferengpässe der vergangenen Jahre haben Brüssel aufgeschreckt. Automotive- und Industrieunternehmen standen zeitweise ohne Chips da. Das soll sich nicht wiederholen. ASML ist dabei das offensichtlichste Hebelpunkt — und gleichzeitig das empfindlichste.
Institutionelle Käufer lassen sich nicht abschrecken
Trotz regulatorischer Unsicherheit zeigen Großinvestoren Interesse. Der australische Pensionsfonds Construction & Building Unions Superannuation Fund baute seine Position am 29. Mai mit einem Kauf von rund 129 Millionen Dollar aus. Ein klares Signal, dass institutionelle Anleger die langfristige Technologiestärke höher gewichten als kurzfristige politische Risiken.
Die Aktie selbst zeigt sich robust. Aktuell notiert ASML bei rund 1.407 Euro — nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.420,80 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um mehr als 42 Prozent zugelegt.
Starke Zahlen, aber Bewertung lässt wenig Spielraum
Die fundamentale Basis ist solide. Im ersten Quartal 2026 erzielte ASML einen Umsatz von 8,77 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen. Für das Gesamtjahr peilt das Management einen Umsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro an. Die Bruttomarge soll zwischen 51 und 53 Prozent liegen.
Für das laufende zweite Quartal erwartet das Unternehmen Nettoerlöse zwischen 8,4 und 9,0 Milliarden Euro. Die Nachfrage nach EUV-Systemen — dem Herzstück der modernen KI-Chipproduktion — bleibt hoch und stützt das Auftragspolster.
Allerdings: Das PEG-Verhältnis liegt bei 1,34 und damit leicht über dem Branchenschnitt von 1,29. Der Kurs preist bereits viel ein. Jede Enttäuschung — ob bei Zahlen oder durch neue Exportbeschränkungen — trifft auf wenig Puffer.
Der Chips Act 2.0 ist noch nicht beschlossen. Wie weit die Eingriffsbefugnisse tatsächlich reichen werden, entscheidet sich im Gesetzgebungsverfahren — und dürfte die Aktie in den kommenden Monaten begleiten.
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