Ein EU-geförderter Bericht, veröffentlicht am Donnerstag, findet keine besonders aufmunternden Worte für Europas Halbleiterbranche. „Düstere Zukunft” lautet das Urteil des gemeinsamen Papiers des EU-Instituts für Sicherheitsstudien und des französischen Thinktanks Institut Montaigne. Und wer jetzt denkt, China sei das einzige Problem, liegt falsch.
Washington als neues Sorgenkind
Natürlich taucht Peking im Bericht auf: chinesische Exportkontrollen auf kritische Mineralien und Magnete, das Risiko eines Konflikts in der Taiwanstraße. Alles bekannt, alles real. Doch Joris Teer, Politikanalyst am Institut für Sicherheitsstudien und Co-Autor des Berichts, sagt es klar: „Während Peking weiterhin als größte Bedrohung erscheint, ist die Abhängigkeit von Washington unter der zweiten Trump-Administration zu einem weitaus größeren Problem geworden.”
Konkret: Der US-Kongress debattiert gerade ein Gesetz, das Washington die Macht geben würde, Exportkontrollen einseitig auf Verbündete und deren Unternehmen auszuweiten. Asml, Europas wertvollstes Unternehmen, stünde damit direkt im Fadenkreuz.
ASML als letzter Trumpf
Dabei ist ASML im Bericht nicht nur als Risiko beschrieben, sondern auch als Argument. Teer sieht den „einzig gangbaren Weg” für Europa darin, auf bestehende Stärken aufzubauen, und nennt dabei explizit die Chipfertigungsausrüstung von ASML. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen gut 12 Prozent zugelegt, im bisherigen Jahresverlauf sogar rund 67 Prozent. Heute allerdings gibt sie knapp 3,6 Prozent nach.
Chips Act 2.0 als Antwort
Die EU-Kommission schläft nicht ganz. Im Juni legte sie einen Chips Act 2.0 vor, der Anreize für die heimische Chipnachfrage schaffen und die Lieferketten absichern soll. Europa ist zudem dem US-initiierten „Pax Silica”-Bündnis beigetreten, einem Zusammenschluss verbündeter Staaten zur Absicherung der Versorgungsketten.
Ob das reicht, bezweifelt der Bericht. Hohe Energiepreise, fehlendes Privatkapital und der Rückgang chipnutzender Industrien hätten die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors bereits unterhöhlt. ASML ist also nicht nur Europas wertvollstes Unternehmen, sondern auch sein bestes Argument in einer Debatte, die Europa gerade verliert.
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