Asml feiert ein kraftvolles Comeback an der Börse. Die Aktie sprang am Freitag um über fünf Prozent auf 1.630 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus damit auf satte 65 Prozent.
Der Chipanlagenbauer notiert nur noch knapp unter seinem Allzeithoch. Der Rekordwert von 1.748 Euro liegt in direkter Schlagdistanz. Die aktuelle Rallye fußt auf optimistischen Prognosen. Im April hob das Management das Umsatzziel für 2026 kräftig an. Bis zu 40 Milliarden Euro peilt der Konzern nun an.
KI-Chips treiben die weltweite Nachfrage rasant nach oben. CEO Christophe Fouquet meldete kürzlich ein klares Ungleichgewicht. Die Kundennachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. Chip-Hersteller bauen ihre Fabriken derzeit massiv aus. Der Konzern will im laufenden Jahr rund 60 seiner gefragten EUV-Anlagen ausliefern. Im Jahr 2027 soll die Kapazität auf 80 Maschinen steigen.
Ein politisches Risiko schwebt allerdings über dem Boom. US-Politiker planen ein neues Exportkontrollgesetz namens MATCH Act. Das Gesetz soll Lieferungen moderner Chip-Maschinen nach China komplett stoppen. Bislang ist das Vorhaben nur ein Entwurf. Die direkten Folgen für ASML bleiben unklar. Das China-Geschäft schrumpft ohnehin spürbar. Der asiatische Umsatzanteil fiel zuletzt von 36 auf 19 Prozent.
Der Härtetest: Trägt der KI-Boom das China-Risiko?
Jetzt steht die Aktie an einem Wendepunkt. Reicht das KI-Wachstum aus, um die schrumpfenden China-Erlöse dauerhaft zu kompensieren? Der Markt hat bereits viele positive Nachrichten eingepreist. Die Aktie handelt aktuell spürbar über ihrer 50-Tage-Linie. Analysten blicken nun gespannt auf die Dynamik bei neuen Buchungen. Vor allem Großkunden wie Samsung oder SK Hynix stehen im Fokus.
Bull-Szenario: Der Kapazitätskampf treibt die Aufträge
Das bullische Argument stützt sich auf einen branchenweiten Engpass. Die Hersteller von Speicher- und Logikchips ringen hart um Produktionskapazitäten. Marktbeobachter stufen die Kapazitäten für 2026 bereits als nahezu ausgebucht ein. Kunden sichern sich Maschinen daher zunehmend mit langfristigen Verträgen.
Setzt sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte fort, erscheint die hohe Bewertung logisch. ASML notiert derzeit über 40 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Eine anhaltend starke Auftragslage rechtfertigt diesen enormen Aufschlag durch strukturell höhere Gewinne.
Bear-Szenario: Exportverbote treffen auf Rekordbewertung
Die Gegenseite warnt vor politischen Verschärfungen. Der MATCH Act könnte sich rasch auf ältere DUV-Systeme ausweiten. In diesem speziellen Segment dominiert ASML den Weltmarkt fast vollständig. Ein striktes Embargo würde lukrative Service-Einnahmen sofort kappen.
Die Folge: ein enormes Rückschlagspotenzial. Die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten um gewaltige 141 Prozent zu. Enttäuscht ASML beim nächsten Bericht, droht ein heftiger Ausverkauf. Eine hohe Volatilität von fast 63 Prozent bestätigt die Nervosität der Anleger.
Ausblick: Der Juli bringt die Gewissheit
Solange der KI-getriebene Ausbau der Chipfabriken unvermindert weitergeht, bleibt die Aufwärtsstory intakt. Gewinnt das US-Gesetz an Fahrt, kippt die Stimmung. Auch ausbleibende Neuaufträge gefährden die Rallye. Die Fallhöhe bleibt bei den aktuellen Kursaufschlägen enorm.
Der nächste Prüfstein folgt in wenigen Tagen. Mitte Juli 2026 veröffentlicht ASML die Ergebnisse für das zweite Quartal. Anleger achten dann auf ein entscheidendes Detail. Die ehrgeizige Prognose von 36 bis 40 Milliarden Euro muss durch handfeste Aufträge untermauert werden. Fällt der Konzern an das untere Ende dieser Spanne zurück, droht der Aktie eine rasche Korrektur.
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