ASML Aktie: Chip-Boom trifft China-Risiko

ASML profitiert von hohen Investitionen der Chip-Hersteller, während chinesische DUV-Konkurrenz und der MATCH Act Risiken bergen.

Auf einen Blick:
  • Kursplus dank TSMC-Rekordumsatz
  • Chinas eigene DUV-Fertigung in Testphase
  • MATCH Act bedroht China-Geschäft
  • Aktie nahe 52-Wochen-Hoch

Ein Chip-Riese im Höhenflug, doch am Horizont zieht eine neue Konkurrenz auf. Asml meldet Rekordnachfrage aus den USA und Taiwan, während China seine eigenen Lithografie-Maschinen testet. Zwei Kräfte ziehen an der Aktie in entgegengesetzte Richtungen.

Die Aktie legt heute 4,22 Prozent zu und steht bei 1.570,60 Euro. Der Auslöser: TSMC hat den dritten Monatsrekord in Folge beim Umsatz gemeldet und die eigene Investitionsplanung erhöht. Intel treibt parallel eine größere Kapitalerhöhung voran, um seine Fertigungskapazitäten auszubauen. Beide Nachrichten befeuern die Fantasie für ASMLs teuerste und wichtigste Maschinen.

Gleichzeitig verdichten sich Berichte, dass ein staatlich unterstütztes chinesisches Unternehmen die Fertigung eigener Immersions-DUV-Systeme koordiniert – jener Lithografie-Technologie, mit der ASML in China bislang gute Geschäfte macht. Die Maschinen aus chinesischer Produktion befinden sich in einer frühen Testphase. Ihre Marktreife ist offen. Trotzdem reicht die Ankündigung, um Zweifel an ASMLs langfristiger Dominanz im chinesischen Markt zu wecken.

Die entscheidende Frage

Reichen die Investitionswellen von TSMC und Intel aus, um ASMLs Bewertung zu stützen, falls China seine angekündigte Strategie für heimische Fertigungstechnik konsequent durchzieht? Genau an dieser Frage entscheidet sich, ob der aktuelle Kursanstieg trägt oder ob er nur eine kurze Erholung ist.

Bullisches Szenario

Der Treiber bleibt die ungebremste globale Nachfrage nach fortschrittlichen Logik- und Speicherchips, angetrieben vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten um fast 153 Prozent zugelegt und notiert derzeit rund 28 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Das signalisiert eine intakte langfristige Aufwärtsbewegung.

Micron hat seine Investitionspläne zuletzt aufgestockt. TSMCs Rekordumsatz und die höhere Investitionsquote unterstreichen die dringende Nachfrage nach ASMLs EUV- und fortschrittlichen DUV-Systemen. Das Management hat bereits reagiert: Die Jahresumsatzprognose wurde angehoben, zudem plant der Konzern den Ausbau der Fertigungskapazität für Low-NA-EUV- und DUV-Immersionssysteme.

Untermauert wird die positive Stimmung durch das laufende Aktienrückkaufprogramm – ASML hat Anfang August täglich eigene Aktien zurückgekauft. Mit einem Abstand von nur rund 10 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 1.748 Euro könnten starke Kundenzusagen der Auslöser sein, um neue Höchststände zu testen.

Bärisches Szenario und Risiko

Das Risiko für die optimistische These liegt im möglichen strukturellen Rückgang des chinesischen Geschäfts – historisch eine hochprofitable Säule für ASML. Berichten zufolge hat China heimische Halbleiterhersteller angewiesen, bei neuen Kapazitäten bevorzugt einheimische Ausrüstung einzusetzen. In diesem Kontext koordiniert die staatlich unterstützte Shanghai Aishengna Electronic Technology Group offenbar die begrenzte Fertigung von Immersions-DUV-Systemen.

Diese chinesischen Systeme liegen aktuell deutlich hinter ASMLs Scannern zurück – bei Leistung, Zuverlässigkeit und Verarbeitungsqualität. Ihre kommerzielle Tauglichkeit und ein tatsächlicher Einsatz sind bislang unbestätigt. Dennoch stellen sie eine direkte Herausforderung für ASMLs Marktanteil im DUV-Segment dar.

Der heimische Vorstoß trifft auf wachsenden politischen Druck aus den USA. Der US-Kongress debattiert derzeit über den MATCH Act, der sowohl den Export als auch die Wartung von Immersions-DUV-Systemen für chinesische Kunden verbieten könnte. Da China einen erheblichen Teil der ASML-Systemverkäufe ausmacht, könnte ein schneller Rückgang chinesischer Bestellungen die Geschäftszahlen deutlich belasten.

Hinzu kommt technologischer Wettbewerb im Speichersegment. Canon vermarktet seine Nanoimprint-Lithografie als günstigere, energieeffizientere Alternative zu klassischem EUV. Der Durchsatz bleibt bei dieser Technologie allerdings ein Flaschenhals – ASMLs Hochgeschwindigkeits-EUV-Scanner verarbeiten mehrere Hundert Wafer pro Stunde. Beschleunigen sich Wettbewerbsdruck und geopolitische Spannungen weiter, könnte die Aktie in Richtung ihres 50-Tage-Durchschnitts von rund 1.550 Euro korrigieren – nur gut ein Prozent unter dem aktuellen Kurs.

Ausblick

Solange TSMC und Intel ihre ausgeweiteten Investitionsprogramme für fortschrittliche Logik- und Speicherchips fortführen, dürfte die fundamentale Nachfrage nach ASMLs EUV-Systemen die regionalen Risiken überwiegen. Der 14-Tage-RSI von 56,6 zeigt eine neutrale technische Lage – der Markt hat die geopolitischen Störgeräusche offenbar teilweise verarbeitet, ohne in Euphorie oder Panik zu verfallen.

Sollte sich in den kommenden Quartalen ein belegbarer Rückgang der DUV-Bestellungen aus China zeigen, oder verabschiedet der US-Kongress den MATCH Act zur Einschränkung der DUV-Wartung, könnte sich die Umsatzentwicklung schneller eintrüben als derzeit erwartet. Zwei Termine verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit: der weitere Gesetzgebungsprozess des MATCH Act im US-Senat und erste konkrete Ergebnisse aus der Testphase von Shanghai Aishengnas Systemen. Beide Entwicklungen dürften zeigen, wie stabil ASMLs Marktposition in China tatsächlich bleibt.

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