Gestern legte die Aktie von Asml um 2,2 Prozent zu und ging bei 1.491,00 Euro aus dem Handel. Für mich kommt dieser Aufwärtstrend im Halbleitersektor keineswegs überraschend. Wer die jüngsten Weichenstellungen des niederländischen Lithografieriesen betrachtet, erkennt schnell: Das Unternehmen bereitet sich mit bemerkenswerter Entschlossenheit auf die nächste Stufe des weltweiten KI-Booms vor.
Die fundamentale Wachstumsfantasie stützt sich dabei auf handfeste Planungen. Laut Reuters berichtete JPMorgan nach Gesprächen mit Finanzvorstand Roger Dassen, dass der Konzern für 2028 eine Jahresproduktion von mehr als 110 EUV-Systemen prüft.
Das Management hatte zuvor signalisiert, für 2027 bereits nahezu ausverkauft zu sein und mindestens 80 Anlagen fertigen zu können. Für das darauffolgende Jahr wird ein Produktionsplus von 30 Prozent angestrebt. Diese Zielmarken verdeutlichen, wie massiv der Ausrüstungsbedarf der globalen Chiphersteller bleiben dürfte.
Physischer Ausbau und technologische Verankerung
Um diese enormen Volumina überhaupt bewältigen zu können, schafft das Unternehmen rechtzeitig die nötige Infrastruktur. Am 8. September starteten die Bauarbeiten für einen zweiten großen Industriecampus am Standort BIC North in Eindhoven.
Das Projekt soll sich über rund 350.000 Quadratmeter erstrecken und Raum für bis zu 20.000 Arbeitsplätze bieten. Ein derart raumgreifender Ausbau zeigt deutlich, dass die Niederländer ihre langfristigen Kapazitätsziele nicht nur auf dem Papier formulieren, sondern mit schwerem Gerät in die Realität umsetzen.
Parallel dazu bindet ASML die Schlüsselkunden der Chipbranche über Jahre hinaus an seine Spitzenlithografie. Intel Foundry vermeldete Anfang des Monats, dass bereits über eine Million Wafer mit der neuen High-NA-EUV-Technologie verarbeitet wurden.
Samsung wiederum plant den Einsatz dieser Systeme für die DRAM-Massenfertigung ab 2028. Zugleich verständigten sich Samsung und Taiwan Semiconductor Manufacturing Company mit ASML auf eine Initiative für künftige 12-Zoll-Photomasken.
TSMC peilt hierfür eine Pilotlinie bis 2031 und die volle Systemreife für fortschrittliche Fertigungsknoten bis 2033 an. Für mich bedeutet das: Technologische Alleinstellung und Kundenbindung bleiben über das laufende Jahrzehnt hinaus abgesichert.
Kapitaldisziplin stärkt das Vertrauen
Zu dieser industriellen Stärke gesellt sich ein konsequentes Kapitalmanagement. ASML nutzt die eigene Liquidität kontinuierlich für umfangreiche Aktienrückkäufe.
Allein in der vergangenen Woche erwarb der Konzern täglich Papiere im zweistelligen Millionenwert über das laufende Rückkaufprogramm – am Freitag etwa 43.000 Aktien für gut 61,5 Millionen Euro. Solche regelmäßigen Transaktionen signalisieren Vertrauen in den eigenen Unternehmenswert und stützen das Angebot am Markt verlässlich ab.
Mit einem Zuwachs von 62 Prozent seit Jahresbeginn ist das Papier zwar kein Schnäppchen mehr, doch die operative Realität rechtfertigt diesen Aufschlag weitgehend. Die Nachfrage nach modernsten Halbleitern zwingt die Chipkonzerne zu milliardenschweren Investitionen, an denen faktisch kein Weg an den Niederländern vorbeiführt.
Unterm Strich überwiegen die Chancen für ASML klar. Das Zusammenspiel aus prall gefüllten Auftragsbüchern für 2027, der geplanten Fertigungsexpansion und der engen Verzahnung mit Spitzenkunden bildet ein außergewöhnlich robustes Fundament. Rücksetzer im Markt dürften vor diesem Hintergrund für langfristig orientierte Anleger eher Gelegenheiten als Warnsignale darstellen.
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