Asml-Aktien geben am heutigen Dienstag deutlich nach. Das Papier notiert bei 1.567,60 Euro und verliert 3,6 Prozent, nachdem es gestern noch bei 1.626,00 Euro geschlossen hatte. Auslöser ist eine politische Auseinandersetzung um die schärfste Waffe des niederländischen Lithografie-Spezialisten: die EUV-Maschinen.
Lutnick äußert Verdacht, ASML dementiert
US-Handelsminister Howard Lutnick hat Bedenken geäußert, dass EUV-Maschinen von ASML nach China gelangt sein könnten. Ein solches Gerät in China wäre ein klarer Verstoß gegen die geltenden US-Exportkontrollen, unter denen die fortschrittlichste Chip-Fertigungstechnologie strengen Beschränkungen unterliegt. ASML weist die Vorwürfe zurück.
Konzernchef Christophe Fouquet verweist auf eine interne Firewall sowie auf die technische Komplexität der Maschinen, die einen unkontrollierten Weitertransfer praktisch ausschließen soll. Zusätzlich brisant: Die US-Regierung investiert Berichten zufolge in xLight, ein mögliches Konkurrenzunternehmen im EUV-Bereich.
Der Vorwurf trifft ASML an einer empfindlichen Stelle. Die EUV-Technologie gilt als einzige verfügbare Lösung zur Fertigung modernster Chips und bildet damit das Fundament der Marktstellung des Unternehmens. Jede politische Debatte über mögliche Umgehungen der Exportregeln wirft ein Schlaglicht auf die geopolitische Abhängigkeit des Geschäftsmodells von der US-Handelspolitik gegenüber China.
Konkurrenz formiert sich, TRUMPF liefert Schlüsselkomponente
Parallel zur politischen Debatte wächst auch die Sorge vor technologischer Konkurrenz. Leopold Aschenbrenner hat weitere 400 Millionen US-Dollar in das Startup Source Foundry investiert, das ASML-Maschinen nach eigenem Anspruch überflüssig machen will.
Insgesamt hat er damit 500 Millionen US-Dollar in das Vorhaben gesteckt. Aschenbrenners Hedgefonds war zuvor auf 45 Milliarden US-Dollar angewachsen, ehe er im vergangenen Monat kollabierte – ein Umstand, der die Ambitionen des Investors relativiert, ohne die Konkurrenzambition selbst zu entkräften.
Wie technisch anspruchsvoll die bestehende EUV-Fertigung tatsächlich ist, zeigt die Rolle des deutschen Familienunternehmens TRUMPF. Es liefert den Laser für jede einzelne EUV-Maschine von ASML – ein Bauteil, das 50.000 Mal pro Sekunde auf Zinntröpfchen feuert und dabei Plasma erzeugt, das heißer ist als die Sonnenoberfläche.
TRUMPF gilt als alleiniger Lieferant ohne Zweitquelle, was die enge und schwer kopierbare Lieferkette hinter der Technologie unterstreicht. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro.
Institutionelle Anleger bleiben investiert
Trotz der Belastungsfaktoren zeigen sich institutionelle Investoren im zweiten Quartal unbeeindruckt. Flputnam Investment Management stockte seine ASML-Position um 120 Prozent auf, Global Retirement Partners baute im selben Zeitraum eine komplett neue Position auf. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel, das deutlich über dem aktuellen Niveau liegt.
Mit dem heutigen Rückgang nähert sich die Aktie wieder ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.559,70 Euro an, von dem sie sich zuletzt kaum entfernt hatte. Zum 52-Wochen-Hoch aus dem Sommer klafft weiterhin eine Lücke von rund 10 Prozent.
Die Volatilität von 43 Prozent auf Jahresbasis signalisiert, dass der Markt politische und wettbewerbliche Unsicherheiten rund um ASML derzeit intensiv einpreist – ein Muster, das angesichts der zentralen Rolle des Unternehmens für die globale Chip-Lieferkette wohl anhält.
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