Es waren bemerkenswerte 12 Monate für den niederländischen Lithografie-Spezialisten. Der Kurs legte um 113,8 Prozent zu und markierte am Freitag mit 1.403,40 Euro ein neues Allzeithoch. Ein Kursrutsch zuletzt? Nicht wirklich – der RSI zeigt mit 31,9 Punkten eine leichte Überverkauft-Situation. Weit wichtiger als die Charttechnik ist derzeit eine andere Entwicklung: Asml steht vor einer technologischen Zeitenwende.
Die ersten Chips, die mit den neuen High-NA-EUV-Maschinen produziert wurden, sollen in den kommenden Wochen präsentiert werden. ASML-Chef Christophe Fouquet bestätigte, dass die Testphase nahezu abgeschlossen ist. Die Systeme kosten rund 329 Millionen Dollar pro Stück – eine gewaltige Investition, verglichen mit den 40 bis 50 Milliarden Won der ersten Low-NA-Ära im Jahr 2010.
Branchenriesen gehen unterschiedliche Wege
Intel und SK Hynix treiben die Einführung massiv voran. TSMC hingegen bremst. Die Taiwaner sehen die Kosten derzeit als zu hoch für eine sofortige Serienproduktion. Erste Module – darunter ein 25-Tonnen-Bauteil – wurden bereits an das Imec-Forschungszentrum in Belgien geliefert. Doch bis zur vollen Massenfertigung könnte es noch dauern.
Parallel dazu zeichnen sich neue geopolitische Allianzen ab. Der niederländische Botschafter in Südkorea, Peter van der Vliet, kündigte eine Ausweitung der Partnerschaft an. Künftig wollen beide Länder verstärkt bei Photonik und Halbleiter-Forschung kooperieren. Das Ziel: eine strategische Position in der globalen Chip-Lieferkette zu sichern – während Regionen wie Indien eigene Halbleiter-Missionen starten.
Sparen für die Zukunft
Trotz eines Rekordjahres 2025 mit 32,7 Milliarden Euro Umsatz und 9,7 Milliarden Euro Gewinn schlankt sich ASML intern um. Rund 1.700 Stellen sollen gestrichen werden, vor allem in den Niederlanden. Der Konzern spricht von mehr „Fokus“. Die Einsparungen sollen in die Kommerzialisierung der Spitzentechnologie fließen.
Die Branche bleibt indes unruhig. Bei TSMC rumort es: Gerüchte über Bonus-Kürzungen lassen Mitarbeiter über Streiks nachdenken – obwohl der Gewinn im ersten Quartal 2026 um 58 Prozent sprang. Samsung setzt derweil auf Bündelangebote aus Memory und Foundry, um Kunden im 2nm-Rennen abzuwerben.
Worauf es in den kommenden Tagen ankommt
Drei Entwicklungen sollten Anleger im Blick behalten: Mögliche Arbeitskonflikte bei TSMC könnten die gesamte Chip-Lieferkette belasten. Kommen weitere Daten zu Samsungs 2nm-GAA-Ausbeute – sie liegt derzeit bei geschätzten 50 Prozent? Und: Die Nachfrage im KI-Segment bleibt enorm. Micron kann nicht einmal zwei Drittel der HBM-Nachfrage bedienen. Das stützt den Bedarf an modernster Lithografie.
Ob die immensen Investitionen in High-NA-EUV tatsächlich durch Effizienzgewinne unterhalb der 2nm-Schwelle gerechtfertigt sind – diese Frage wird sich im Laufe des Jahres beantworten.
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