Ein Gewinneinbruch von über 60 Prozent klingt nach Alarm. Bei Aroundtown reagierte die Börse trotzdem gelassen — die Aktie legte nach den Halbjahreszahlen zunächst zu, bevor sie die Gewinne wieder abgab. Der Grund: Der Konzern bestätigt seine Jahresprognose und setzt sichtbar auf Wohnimmobilien statt auf das schwächelnde Bürogeschäft.
Höhere Zinsen drücken auf den Gewinn
Im ersten Halbjahr sank das operative Ergebnis (FFO I) um vier Prozent auf 143,8 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren gestiegene Finanzierungskosten, die von 112,6 auf 142,3 Millionen Euro kletterten. Unter dem Strich brach der Gewinn auf 218,1 Millionen Euro ein, weil praktisch keine Bewertungsgewinne mehr anfielen — im Vorjahr hatten diese noch gut 383 Millionen Euro beigesteuert.
Die Nettomieteinnahmen blieben mit knapp 591 Millionen Euro stabil, auf vergleichbarer Basis stiegen sie sogar um 2,7 Prozent. Wohnungen und Hotels laufen gut, während das Bürogeschäft in Deutschland weiter unter gedämpfter Nachfrage leidet. Genau diese Diskrepanz treibt offenbar die strategische Neuausrichtung.
Mehr Wohnen, weniger Büro
Aroundtown hat seine Beteiligung am Wohnimmobilienunternehmen Grand City Properties von 62,5 auf 84 Prozent aufgestockt. Der Konzern setzt damit stärker auf das stabilere Wohnsegment, während er gleichzeitig Bürobestand abbaut.
Seit Jahresbeginn wurden Immobilien im Wert von 390 Millionen Euro zum Verkauf unterzeichnet, im ersten Halbjahr flossen bereits 350 Millionen Euro aus Verkäufen leicht unter Buchwert. Im Gegenzug kaufte das Unternehmen für rund 140 Millionen Euro Objekte in Deutschland und London hinzu.
Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm, das Ende Januar gestartet war und laut Unternehmensangaben im Berichtszeitraum weitgehend abgeschlossen wurde. Bis Jahresende sollen Papiere im Volumen von bis zu 250 Millionen Euro zurückgekauft werden — bislang zu einem durchschnittlichen Kurs von 2,54 Euro je Aktie, deutlich unter dem Buchwert.
Für das Gesamtjahr hält der Vorstand an der im April angehobenen Prognose fest: ein operatives Ergebnis zwischen 275 und 305 Millionen Euro, nach 288 Millionen Euro im Vorjahr. Die geplante Gesamtdividende soll auf 0,120 bis 0,135 Euro je Aktie steigen, nach 0,08 Euro im Vorjahr.
Berenberg beließ die Einstufung nach dem Zwischenbericht auf „Hold“ mit einem Kursziel von 4 Euro und lobte dabei ausdrücklich die neue Dividendenpolitik. Die Halbjahreszahlen seien etwas besser ausgefallen als erwartet — ein Detail, das angesichts des massiven Gewinnrückgangs zeigt, wie tief die Erwartungen zuvor lagen.
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