Liebe Leserinnen und Leser,
Der Börsengang von Arm Holdings im September 2023 kam genau zur richtigen Zeit. Am Markt herrschte KI-Euphorie, der Großaktionär war renommiert und der Konzern konnte nach einem schwachen Jahr zweistellige Wachstumsraten in Aussicht stellen. Als dann auch noch die ersten Quartalszahlen über 20% Wachstum aufzeigten, war die Basis für Superlativen gelegt. Die Erwartungen schossen in den Himmel, Rufe nach mehr Bodenständigkeit wurden ignoriert.
Keine Frage, Arm ist ein Masterclass-Unternehmen und auch zurecht in den Depots vieler Tech-Anleger. Die Briten stehen seit Jahren sinnbildlich für energieeffiziente Rechenarchitekturen, Dominanz im Smartphone-Markt und sind tief in nahezu allen Zukunftstrends verankert – vom Internet der Dinge über Automotive bis hin zu Edge-Computing.
Charttechnik und Suche nach KI-Investments treibt Kurs in ungerechtfertigte Höhen
Mit dem aufkommenden KI-Boom wurde daraus jedoch sehr schnell eine zu einfache Gleichung: Wenn aufgrund von KI künftig immer mehr Rechenleistung nicht mehr nur in der Cloud, sondern direkt auf Geräten benötigt wird, dann führt an ARM kein Weg vorbei. Anleger griffen en masse zu und für die Aktie ging es steil nach oben.
In dieser Phase spielte Bewertung nur eine untergeordnete Rolle. Arm wurde nicht mehr als solider Lizenzgeber mit stabilen, aber begrenzten Wachstumsraten wahrgenommen, sondern als strategische KI-Infrastruktur, als eine Art „Pflichtinvestment“ für jedes zukunftsorientierte Portfolio.
Hinzu kam ein technischer Effekt, der den Kursanstieg verstärkte. Die Muttergesellschaft Softbank brachte beim Börsengang nur einen kleinen Teil der Aktien an die Börse. Der Free Float war gering, die Nachfrage groß, und so traf viel Kapital auf wenig Angebot. Das Ergebnis war eine überproportionale Kursreaktion.
Nach der Party folgte der Kater
Schon früh habe ich Sie darauf hingewiesen, dass diese Erwartungen aus dem Ruder liefen. Kurse oberhalb von 130 Euro waren fundamental nicht zu rechtfertigen, Kurse im Bereich von 160 oder gar 175 Euro schon gar nicht. Der Markt preiste implizit ein Szenario ein, in dem Arm über Jahre hinweg ein explosionsartiges Wachstum liefern müsste, obwohl das Geschäftsmodell strukturell anders funktioniert als bei klassischen Chipproduzenten.
Arm verdient an Lizenzen und Royalties, profitiert breit vom technologischen Fortschritt, trägt aber kaum operatives Risiko – das macht das Modell robust, aber eben auch weniger hebelstark. Die Realität passte einfach nicht zur Fantasie der Arm-Bullen und auch nicht wenigen Analysten.
Die Korrektur ab Sommer 2024 war daher keine Überraschung, sondern eher die Antwort auf die Frage: Wie lange geht das noch gut? Erst als klar wurde, dass sich das Wachstum nicht abrupt beschleunigt und dass KI-Einnahmen bei Arm eher indirekt und zeitverzögert anfallen, begann der Markt umzudenken.
Kapital verlagerte sich zu der Zeit innerhalb des KI-Sektors von Infrastruktur-Anbietern hin zu Unternehmen mit unmittelbarem KI-Umsatzhebel. Das wiederum führte zu sich verstärkenden technischen Faktoren: Momentum-Investoren zogen sich zurück, Stop-Loss-Marken wurden ausgelöst, und die geringe Liquidität verstärkte die Abwärtsbewegung. Aus dem überhitzten Aufwärtstrend wurde ein ebenso dynamischer Abwärtstrend.
Investitionsrisiko Softbank: Großaktionär kann jederzeit weitere Aktien verkaufen
Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor blieb die Rolle von Softbank. Zwar hat Softbank noch immer keine größeren zusätzlichen Aktienpakete verkauft, doch allein die Tatsache, dass der Konzern weiterhin den Großteil der Anteile hält, bleibt ein strukturelles Risiko, das einen KI-Aufschlag kleiner werden lassen sollte.
Zum einen besteht jederzeit die Möglichkeit weiterer Platzierungen, zum anderen nutzt Softbank Arm-Aktien als Sicherheit für Finanzierungen. In einem schwachen Marktumfeld kann das zusätzlichen Druck erzeugen, auch wenn operativ bei Arm alles im Lot ist. Dieses Risiko gehört zur Bewertung dazu und darf nicht ausgeblendet werden.
Arm auf dem aktuellen Kursniveau mittelfristig attraktiv
Mit dem Rückgang auf Kurse unter 90 Euro zu Beginn dieses Jahres hat sich das Bild jedoch spürbar verändert. Dort, wo die Aktie zuvor klar zu teuer war, wird sie nun wieder interessant. Kurse unterhalb dieser Schwelle laden eher zum Kauf ein – nicht als kurzfristiger technischer Trade, sondern aus einer strategischen Perspektive. Die fundamentale Qualität von Arm hat durch die Korrektur nicht gelitten.
Im Gegenteil: Das Unternehmen bleibt technologisch unverzichtbar und profitiert langfristig von KI, energieeffizientem Computing und der schrittweisen Ablösung klassischer Architekturen. Die aktuellen Analystenprognosen zeigen 20% Wachstum im Geschäftsjahr 2025/26 und 26/27 sowie 15% in 27/28.
Entscheidend ist für einen Investor mit Blick auf den ramponierten Chart also wahrscheinlich lediglich der Anlage-Zeithorizont. Gut möglich, dass in einem schwachen Umfeld die anhaltende Korrektur zunächst weitergeht. Mittelfristig kann sich ein Engagement jedoch gut bezahlt machen.
Durch den 50% tieferen Kurs hat sich das Chance-Risiko-Verhältnis deutlich verbessert. ARM ist in meinen Augen eine attraktive Investitions-Story für eine „buy and hold“- Strategie. Am 4. Februar kommen frische Geschäftszahlen, dann könnte der Abwärtstrend endgültig gestoppt werden.
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