Arjo liefert im dritten Quartal bessere Zahlen und legt gleichzeitig einen konkreten Fahrplan für Einsparungen vor. Der schwedische Medizintechnikhersteller will sein Ergebnis bis Mitte 2029 um rund 350 Millionen Kronen verbessern. Der Markt reagierte gelassen.
Wachstum und Marge ziehen an
Der Umsatz stieg auf 2,85 Milliarden Kronen, organisch um 6,0 Prozent. Treiber waren vor allem Geräte für die Patientenhandhabung, daneben Services und Diagnostik. Europa wuchs mit 7,4 Prozent am stärksten, Nordamerika legte um 6,4 Prozent zu. Das Internationale Geschäft kam dagegen nur auf 0,5 Prozent.
Die Bruttomarge kletterte auf 43,0 Prozent nach 41,1 Prozent im Vorjahr. Dazu trugen Rückerstattungen von US-Zöllen über rund 35 Millionen Kronen bei. Ohne diesen Effekt verbesserte sich die Marge nach Angaben des Finanzchefs dennoch leicht, trotz höherer Frachtkosten.
Das bereinigte operative Ergebnis sprang auf 247 Millionen Kronen, nach 165 Millionen im Vorjahr. Rechnet man Währungseffekte und Zollerstattung heraus, bleiben 195 Millionen und eine Marge von 6,8 Prozent, nach 6,2 Prozent vor einem Jahr.
Schattenseiten in der Bilanz
Unter dem Strich fiel das Bild schwächer aus. Das Ergebnis je Aktie sank auf 0,21 Kronen nach 0,30 Kronen. Grund sind Abwertungen auf die Beteiligungen an Atlas Mobility und Veplas über 62 Millionen Kronen, beide stehen nun mit null in den Büchern. Hinzu kamen höhere Restrukturierungskosten von 41 Millionen Kronen.
Der operative Cashflow stieg auf 485 Millionen Kronen, die Verschuldung im Verhältnis zum bereinigten EBITDA sank auf das 2,2-Fache. Die Kapitalbindung nahm allerdings zu: Die Working-Capital-Tage liegen bei 88 nach 82 im Vorjahr, weil Lagerbestände für das Schlussquartal aufgebaut wurden.
350 Millionen aus eigener Kraft
Kern der Strategie, die Arjo zuletzt auf dem Kapitalmarkttag vorgestellt hat, ist ein Ergebnisplus, das ausdrücklich nicht auf Wachstumsannahmen beruht. Die Hebel reichen von einem schlankeren Betriebsmodell über günstigeren Einkauf und Preisgestaltung bis zur Straffung des Produktportfolios und der Lieferkette. Die Maßnahmen sollen ab 2027 stufenweise wirken.
Dafür fallen Restrukturierungskosten von rund 370 Millionen Kronen an, großteils in den kommenden 18 Monaten. Der Vorstand hofft, am Ende weniger zu brauchen. Konzernchef Andreas Elgaard sprach von einem Plan, Arjo „wieder auf Kurs“ zu bringen.
Die Aktie legte im frühen Handel nur um 0,53 Prozent zu. Offenbar wiegen Marktteilnehmer die bessere Profitabilität gegen Umsetzungsrisiken und Zusatzkosten ab.
Grippesaison als Unsicherheitsfaktor
Kurzfristig hängt viel am Winter. Die Grippewelle könne das Schlussquartal „make or break“ machen, so Elgaard, vor allem in den USA, wo die Saison 2025 schwach ausfiel. Prognostizieren kann Arjo das nicht.
Neue Finanzziele will das Unternehmen im ersten Quartal 2027 vorlegen. Zuvor folgt am 28. Januar 2027 der Jahresbericht, der Bericht zum ersten Quartal erscheint am 16. April 2027.
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