Arista Networks: Hohe Bewertung – aber auch hohe Umsatzsteigerungen und Gewinnspannen

KI-Rallye bei Arista Networks: Trotz hoher Bewertung versprechen Rekordmargen und der Ausbau der Cloud-Infrastruktur weiteres Wachstum.

Auf einen Blick:
  • KI-Rückgrat: Arista ist Marktführer bei Hochgeschwindigkeits-Netzwerken, die Zehntausende KI-Prozessoren für Tech-Giganten wie Microsoft und Meta verbinden.
  • EOS-Software-Vorteil: Das einheitliche Betriebssystem sichert fehlerfreie, netzwerkweite Updates im laufenden Betrieb und sorgt für extreme Kundentreue gegen die Cisco-Konkurrenz.
  • Gigantische Kennzahlen: Das Unternehmen wächst über 20 % p.a., ist komplett schuldenfrei und deklassiert die Branche mit einer operativen Marge von fast 48 %.
  • Teuer, aber bullisch: Trotz eines KGVs von über 50 treiben gigantische Investitionen der Hyperscaler und neue Produkte die Aktie Richtung neue Allzeithochs.

Arista Networks: Hohe Bewertung – aber auch hohe Umsatzsteigerungen und Gewinnspannen

Viele Aktien mit KI-Bezug gehen aktuell durch die Decke. Je nachdem wie groß das Alleinstellungsmerkmal ist, desto steiler der Kursanstieg. 140% hat der Netzwerk-Spezialist Arista Networks seit vergangenen Mai hinzugewonnen und womöglich ist das aktuelle Plus noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Arista Networks ist dabei kein Unternehmen, das man als deutscher Privatanleger kennen muss oder das man im Alltag wahrnimmt. Arista verkauft keine glänzenden Verbrauchergeräte oder führt einprägsame Werbe-Kampagnen. Stattdessen arbeitet der Konzern aus dem Silicon Valley tief im Inneren der digitalen Infrastruktur. Genauer gesagt in den Netzwerkschichten, die Rechenzentren zum Laufen bringen. Wer heute ein großes Sprachmodell trainiert oder eine KI-Anwendung betreibt, braucht nicht nur leistungsfähige Prozessoren. Er braucht ein Netzwerk, das Zehntausende dieser Prozessoren so miteinander verbindet, sodass sie als ein einziges riesiges System zusammenarbeiten. Arista liefert solche Netzwerke, an Kunden wie Microsoft, Meta und Oracle, die zu den größten Betreibern von KI-Rechenzentren der Welt gehören.

EOS als Garant für Kundentreue

Was Arista von der Konkurrenz unterscheidet, ist weniger die Hardware als die Software dahinter. Das Betriebssystem EOS, das Arista einst auf einem blanken Blatt Papier entwickelt hat, läuft inzwischen auf sämtlichen Geräten des Unternehmens in identischer Form und mit identischem Code – egal ob Switch, Router, virtuelle Maschine oder Cloud-Installation. Was sich banal anhört, ist in der Praxis ein erheblicher Vorteil. Die IT-ler unter Ihnen wissen vermutlich, dass bei Rivalen wie Cisco oder anderen Konkurrenten verschiedene Geräteklassen betrieben werden, die alle verschiedene Betriebssystem-Versionen besitzen. Die verschiedenen Konfigurationslogiken sind dann im Zusammenspiel fehleranfällig, zB wenn eine Geräteklasse ein Update erhält.

Bei Arista hingegen gibt ein einziges Software-Update dem gesamten Netzwerk die neue Funktionalität – automatisch, netzwerkweit, ohne Betriebsunterbrechung. Microsoft etwa nutzt Aristas Plattform in seinen leistungsstarken KI-Rechenzentren, um jedes Jahr mehrere hundert neue Funktionen und Services in die Cloud-Infrastruktur zu integrieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu gefährden. Dieser Vorteil ist der Hauptgrund, warum Großkunden bei Arista bestellen und auch nicht wechseln, sobald sie einmal tief in die Plattform integriert sind. Und wenn ein Unternehmen einen unmittelbaren greifbaren Vorteil für den Kunden schafft – in diesem Fall im KI-Bereich – dann sorgt das in der Regel auch für gute Geschäfte und Perspektiven.

Arista Networks Aktie Chart

Umsatzwachstum übersteigt in den kommenden Jahren 20%

Dementsprechend überzeugend sind die aktuellen Arista-Geschäftszahlen. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Umsatz um hohe 35% auf 2,71 Mrd. US-Dollar, der operative Cashflow kletterte auf 1,69 Mrd. US-Dollar – beides die höchsten jemals erreichten Werte in der Unternehmensgeschichte. Die Bruttomarge hielt sich trotz des hohen Wachstumstempos stabil bei rund 62%, die operative Marge bei fast 48%. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Technologieunternehmen erzielt operative Margen von 15 bis 20%. Arista wirtschaftet also mit einer Effizienz, die selbst unter den besten Technologiekonzernen heraussticht. Für die Value-Investoren unter Ihnen kommt eine schuldenfreie Bilanz mit liquiden Mitteln von rund 12,4 Mrd. US-Dollar hinzu.

Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert das Management einen Umsatz von rund 11,5 Mrd. US-Dollar, knapp 28% mehr als im Vorjahr. Allein im KI-Segment peilt Arista 3,5 Mrd. US-Dollar an – eine Verdopplung gegenüber 2025.

Der KI-Rückenwind, der hinter dem Wachstumsverdoppler steckt wird auch vermutlich weiter anhalten bzw. stärker werden. Allein Microsoft, Alphabet, Meta, Amazon und Oracle haben zusammen Investitionen von knapp 700 Mrd. US-Dollar in KI-Infrastruktur für 2026 angekündigt, rund 65% mehr als im Vorjahr. Jedes dieser Rechenzentren braucht Netzwerke. Da Arista  bei Datenzentren inzwischen die Nummer eins für Hochgeschwindigkeits-Switching ist – eine Position, die sich das Unternehmen gegen Platzhirsch Cisco erarbeitet hat – dürfte das Geschäft auch darüber hinaus wachsen. Aktuell stehen die Konsensprognosen für den Umsatz bei 11,5 Mrd. USD (2026), 14,2 Mrd. USD (2027) und 17,3 Mrd. USD (2028), das Geschäft würde demnach mit mehr als 20% p.a. wachsen.

Produkt-Innovation soll Marktposition weiter verstärken

Arista hat gerade eine neue Switch-Generation vorgestellt, die nochmals deutlich leistungsfähiger ist als alles bisher Dagewesene und speziell für die nächste Welle von KI-Rechenzentren ausgelegt ist. Microsoft, Meta und Oracle haben die Ankündigung öffentlich und namentlich begleitet – mit eigenen Statements, in denen sie die Bedeutung dieser Systeme für ihre Infrastrukturplanungen hervorheben.

Gutes Marketing für Arista, die jedoch ohnehin schon bei vielen Großkonzernen im Boot sitzen.  Dass gleich drei der weltgrößten Cloud-Anbieter eine Produktankündigung eines Zulieferers derart ausdrücklich würdigen, ist allerdings ein deutlicher Ritterschlag.

Arista Networks Aktie Chart

Aktie ist teuer – und dennoch aussichtsreich

Kommen wir zur Bewertung – und hier ist es für die oben speziell erwähnten Value-Investoren vielleicht besser kurz wegzuhören. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei über 50, auf Basis des heute Bekannten ist die Aktie also definitiv teuer. Wer in den vergangenen 12 Monaten allerdings bei vermeintlichen Schnäppchen zugegriffen hat, hat sehr oft bei weitem nicht das verdient, was ein Wachstumsinvestor mit dem Kauf augenscheinlich teurer Titel verdient hat. Wenn das bekannte Wachstum bereits groß ist und eine neue Produktankündigung Rückendeckung durch die größten KI-Infrastruktur-Investoren erhält, dann bekommen Sie das nicht für wenig Geld.

Analysten jedenfalls sehen dennoch Potenzial. J.P. Morgan und Evercore ISI haben in Updates jüngst ihre Kursziele auf je 200 US-Dollar angehoben. Über alle 28 beobachtenden Analysten hinweg liegt das durchschnittliche Kursziel aktuell bei 184 US-Dollar – bei 26 Kaufempfehlungen und keiner einzigen Verkaufsempfehlung.

Es ist durchaus vorstellbar, dass die Geschäftsentwicklung weiter Fahrt aufnimmt und der Konsens sowohl zur Unternehmensentwicklung als auch zum durchschnittlichen Kursziel weiter steigt. Dann könnte auch die Aktie neue Allzeithochs markieren.

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