Weniger als zwei Wochen trennen Arafura Rare Earths von einem Votum, das über den Bau Australiens erster vollständig integrierter Seltenerden-Mine entscheiden wird. Die Aktie steht unter Druck — und genau das macht den 2. Juli so bedeutsam.
Nolans-Projekt: Zahlen bestätigt, Kurs unter Wasser
Der Kurs notiert bei 0,16 Euro und liegt damit rund 15 Prozent unter dem Stand vor einem Monat. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 0,30 Euro im Oktober 2025 hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von gut 66 Prozent.
Arafura hat die Finanzannahmen für das Nolans-Projekt bekräftigt. Der Nachsteuer-NPV liegt bei 1,73 Milliarden australischen Dollar. Das steht einem Gesamtkapitalbedarf von 1,23 Milliarden Dollar gegenüber. Die interne Verzinsung von 17,2 Prozent liegt klar über den üblichen Schwellenwerten für Projektfinanzierungen dieser Größenordnung. Betriebskosten und Gesamtcashflows über die Minenlebensdauer sind laut Unternehmensangaben stärker als in früheren Berechnungen ausgewiesen.
Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: Nolans produziert jährlich 144.000 Tonnen Phosphorsäure als Nebenprodukt. Die Reinheit liegt über Düngemittelstandard, aber noch unter dem Niveau für Lithium-Eisenphosphat-Batterien. CEO Darryl Cuzzubbo will mit LFP-Batterieherstellern prüfen, ob zusätzliche Verarbeitung möglich ist. „Das würde uns einen besseren Preis bringen — und wir haben das noch nicht in die Projektökonomie eingerechnet“, sagte er. Dieses Potenzial ist im aktuellen NPV schlicht nicht enthalten.
Geopolitik als Rückenwind
China kontrolliert rund 90 Prozent der globalen Seltenerdenverarbeitung. Im April und Mai 2025 brachen die Exportmengen ein. Automobilhersteller in den USA und Europa mussten Produktionslinien drosseln oder kurzzeitig stilllegen. Europäische Importlizenzen wurden in weniger als einem von vier Fällen genehmigt.
China hat die im Oktober 2025 angekündigten Exportkontrollen für ein Jahr bis November 2026 ausgesetzt. Die April-Kontrollen und das Lizenzsystem bleiben jedoch vollständig in Kraft. NdPr-Oxid kostet aktuell zwischen 103 und 106 Dollar pro Kilogramm. Chinas offizieller Seltenerden-Preisindex stieg am 15. Juni auf 252,8 Punkte.
Nolans soll jährlich 4.440 Tonnen NdPr-Oxid produzieren — über eine Minenlebensdauer von 38 Jahren. Zu den Abnehmern zählen Hyundai, Kia, Siemens Gamesa und der Rohstoffhändler Traxys North America.
Souveräne Finanzierung, klare Deadline
Das Finanzierungskonsortium hinter Nolans umfasst Exportkreditagenturen aus den USA, Kanada, Deutschland und Südkorea. Hinzu kommen die Northern Australia Infrastructure Facility, Hancock Prospecting sowie globale Handelshäuser. Die deutsche KfW erhält bei Zustimmung einen Sitz im Aufsichtsgremium und Vetorechte bei künftigen Projektmeilensteinen.
Alle Finanzierungsbedingungen müssen bis zum 1. Dezember 2026 erfüllt sein. Andernfalls verfallen die Zusagen vollständig.
Bei einem Ja am 2. Juli könnte der Baubeginn bereits im September 2026 erfolgen. Nolans wäre dann eine der wenigen Minen außerhalb Chinas, die direkt Oxid statt Konzentrat oder Karbonat produziert — neben MP Materials in Kalifornien und Lynas in Westaustralien. 90 Prozent der Gesamtkosten entfallen auf die chemische Verarbeitungsanlage. Das zeigt: Der Wert liegt nicht im Abbau, sondern in der Trennung.
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