Die Erholungshoffnungen der Anleger von Applovin haben am heutigen Dienstag einen deutlichen Dämpfer erhalten. Nachdem das Unternehmen bereits in der vergangenen Woche mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen nicht vollständig erfüllen konnte, reagiert nun die Bank of America mit einer Herabstufung. Die Experten sorgen sich vor allem um die Nachhaltigkeit des Wachstumskurses und die steigenden Kosten für die technologische Infrastruktur.
Analysten kritisieren Wachstumsdynamik und steigende Kosten
Die Analysten der Bank of America haben die Einstufung für AppLovin von „Buy“ auf „Neutral“ gesenkt. Das Kursziel wurde in diesem Zuge von zuvor 430 US-Dollar auf 400 US-Dollar korrigiert.
Analyst Omar Dessouky begründete diesen Schritt mit einer zunehmenden Unsicherheit bezüglich des langfristigen Umsatzwachstumsziels von 30 Prozent. Medienberichten zufolge sieht die Bank Anzeichen dafür, dass die Verbesserungen bei den KI-gestützten Modellen des Unternehmens an Dynamik verlieren.
Gleichzeitig belasten steigende Ausgaben für Rechenkapazitäten die Bilanz. Während die Upgrades für das AXON-Modell zuletzt stagnierten, stiegen die Forschungs- und Entwicklungskosten im Jahresvergleich um 127 Prozent.
Diese Kombination aus verlangsamter technologischer Weiterentwicklung und höheren Betriebskosten sorgt am Markt für Skepsis, ob die bisherigen Margen in einem schwieriger werdenden Wettbewerbsumfeld für Werbetechnologie gehalten werden können.
Quartalszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück
Die Herabstufung erfolgt nur wenige Tage nach der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal. Am vergangenen Donnerstag meldete AppLovin einen Umsatz von 1,92 Milliarden US-Dollar. Damit verfehlte das Unternehmen die Konsensschätzung der Analysten, die bei 1,95 Milliarden US-Dollar gelegen hatte. Es war das erste Mal seit dem Börsengang, dass das Unternehmen seine eigene Prognose nicht übertreffen konnte.
Auch der Ausblick auf das laufende dritte Quartal bot wenig Anlass für Euphorie. Die Geschäftsführung stellte einen Umsatz zwischen 2,055 Milliarden und 2,085 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Da der Mittelwert dieser Spanne unter den Markterwartungen von 2,083 Milliarden US-Dollar liegt, werteten Investoren dies als Signal für eine abkühlende Nachfrage im Kernbereich Mobile Gaming. Dort hält AppLovin derzeit einen Marktanteil von etwa 50 Prozent bei den Werbeausgaben, sieht sich jedoch mit einem gesättigten Marktumfeld konfrontiert.
Gemischtes Stimmungsbild an der Wall Street
Trotz der vorsichtigeren Einschätzung durch die Bank of America zeigen sich andere Analysehäuser noch optimistischer, passen ihre Erwartungen jedoch ebenfalls nach unten an. Phillip Securities etwa bestätigte die Kaufempfehlung, reduzierte das Kursziel jedoch von 635 US-Dollar auf 610 US-Dollar. Auch Needham und Benchmark senkten ihre Kursziele auf jeweils 500 US-Dollar.
Die Skepsis der Analysten spiegelt sich deutlich im Kursverlauf wider. Die Aktie von AppLovin notiert heute bei 278,30 Euro, was einem Rückgang von 5,32 Prozent entspricht. Damit rückt das 52-Wochen-Tief von 276,80 Euro in unmittelbare Reichweite.
Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 53,16 Prozent an Wert verloren, womit AppLovin die negative Entwicklung im gesamten Ad-Tech-Sektor, in dem auch Wettbewerber wie The Trade Desk unter Druck stehen, anführt.
Während das Unternehmen weiterhin profitabel arbeitet und im zweiten Quartal einen freien Cashflow von 863 Millionen US-Dollar generierte, fordern Investoren nun den Nachweis, dass die Expansion in neue Bereiche wie den E-Commerce die Wachstumsdelle im Gaming-Sektor kompensieren kann.
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