Der US-Spezialist für optische Vernetzungslösungen, Applied Optoelectronics (AAOI), hat gestern nach US-Börsenschluss die Markterwartungen für das zweite Quartal 2026 deutlich übertroffen. Getrieben durch eine explodierende Nachfrage nach Hochgeschwindigkeits-Transceivern für Künstliche Intelligenz (KI) meldete das Unternehmen nicht nur einen Rekordumsatz, sondern auch eine Rückkehr in die Gewinnzone auf Non-GAAP-Basis.
Rekordergebnisse im Datacenter-Segment
Im abgelaufenen zweiten Quartal erzielte Applied Optoelectronics einen Umsatz von 191,92 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung von 86,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders dynamisch entwickelte sich das Kernsegment Datacenter, dessen Erlöse um 140,4 Prozent auf 107,66 Millionen US-Dollar kletterten. Erstmals in der Unternehmensgeschichte überschritt dieser Bereich die Marke von 100 Millionen US-Dollar in einem einzelnen Quartal.
Beim Ergebnis pro Aktie (EPS) verzeichnete das Unternehmen auf Non-GAAP-Basis einen Gewinn von 0,06 US-Dollar. Im Vorjahresquartal stand hier noch ein Verlust von 0,16 US-Dollar zu Buche. Damit schlug das Unternehmen die Konsensschätzungen der Analysten, die lediglich mit einem Wert zwischen 0,01 und 0,02 US-Dollar gerechnet hatten, deutlich. Während auf GAAP-Basis noch ein Nettoverlust von 22,8 Millionen US-Dollar ausgewiesen wurde, unterstreichen die bereinigten Zahlen die operative Trendwende.
Kapazitätsausbau und technologische Führerschaft
Für das laufende dritte Quartal gab das Management eine Prognose ab, die massiv über den bisherigen Markterwartungen liegt. Applied Optoelectronics rechnet mit einem Umsatz zwischen 255 und 290 Millionen US-Dollar. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie soll demnach in einer Spanne von 0,11 bis 0,26 US-Dollar liegen. Um der anhaltend hohen Nachfrage nach 800G- und 1,6T-Modulen gerecht zu werden, plant das Unternehmen eine massive Ausweitung der Produktion.
Die aktuelle Kapazität von rund 200.000 Einheiten pro Monat soll bis zum Ende des Jahres 2026 auf 650.000 Einheiten gesteigert werden. Bis Ende 2027 peilt das Unternehmen sogar eine monatliche Ausbringung von über 930.000 Einheiten an. Besonders große Hoffnungen ruhen auf der neuen 1,6T-Technologie. Für diese Produkte liegen bereits Aufträge im Wert von mehr als 200 Millionen US-Dollar vor. Im vierten Quartal 2026 erwartet das Management bereits Umsätze von über 70 Millionen US-Dollar allein aus dieser Produktkategorie.
Regulatorischer Rückenwind durch die FCC
Zusätzliche Impulse für die Aktie lieferten Berichte über mögliche regulatorische Eingriffe in den USA. Die US-Fernmeldebehörde FCC prüft derzeit ein Verbot für optische Module chinesischer Hersteller. Ein solcher Schritt könnte die Marktposition von Anbietern mit US-basierter oder westlicher Lieferkette erheblich stärken. In der Folge verzeichnete nicht nur Applied Optoelectronics deutliche Kursgewinne, sondern auch Wettbewerber wie Coherent, deren Aktie um über 13 Prozent zulegte.
Analysten von Wall Street Zen stuften die Aktie nach Vorlage der Zahlen auf „Hold“ hoch. Die Marktreaktion war bereits am Freitag im europäischen Handel spürbar: Die Aktie von Applied Optoelectronics schloss bei 117,20 € und verzeichnete damit eine Tagesveränderung von 8,70 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus für das Papier damit auf beeindruckende 270,89 Prozent, was die hohe Erwartungshaltung des Marktes an die Rolle des Unternehmens im KI-Infrastrukturzyklus widerspiegelt.
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