Zwei Analysehäuser überbieten sich an einem einzigen Freitag mit neuen Kurszielen für Applied Materials. Der Grund: Der Boom rund um sogenannte „Agentic AI“ treibt die Nachfrage nach Chip-Fertigungsanlagen auf ein neues Niveau. Die Aktie reagierte prompt und legte am Freitag um 2,17 Prozent auf 526,60 Euro zu.
Der Ausschlag kommt nach einer wackligen Woche. Auf Sieben-Tage-Sicht steht bei Applied Materials noch ein Minus von 5,46 Prozent zu Buche. Der Freitags-Sprung markiert damit eine erste Stabilisierung nach dem Rücksetzer.
Stifel und Needham überbieten sich
Stifel hebt sein Kursziel für Applied Materials von 530 auf 650 US-Dollar an und bestätigt die Kaufempfehlung. Die Analysten begründen den Schritt mit einem robusten Nachfragezyklus für Halbleiter-Fertigungsanlagen, ausgelöst durch den Aufstieg von „Agentic AI“-Systemen.
Die Stifel-Prognose ist konkret: Die weltweiten Ausgaben für Wafer-Fertigungsanlagen (WFE) sollen 2026 auf 145 bis 150 Milliarden US-Dollar steigen. Bis 2028 erwarten die Analysten sogar 225 Milliarden US-Dollar. Als strukturellen Vorteil nennen sie das breite Produktportfolio von Applied Materials, das komplexe Technologiewechsel besser abdecken kann als spezialisierte Wettbewerber.
Needham zieht nach und hebt sein Kursziel noch deutlicher an, auf 740 US-Dollar. Die Einstufung „Strong Buy“ bleibt damit unter mehreren Marktbeobachtern die vorherrschende Meinung.
Kunden planen bis 2030
Rückenwind bekommt die Aktie auch von der Unternehmensspitze selbst. CEO Gary Dickerson beschrieb in einem Mitte Juli veröffentlichten Interview einen fundamentalen Wandel in der Kapazitätsplanung der Chiphersteller. Kunden liefern demnach heute Nachfrage-Prognosen für zwei Jahre und mehr im Voraus, manche Roadmaps reichen bis ins Jahr 2030.
Diese langfristige Planungssicherheit soll die für die Branche typischen „Stop-and-Go“-Zyklen abmildern. Kapazitätsausbauten bei modernster Logik-Fertigung, DRAM-Speicher und fortschrittlichem Packaging sollen dadurch gleichmäßiger verlaufen. Applied Materials selbst rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 50 Prozent im Segment Chip-Packaging – ein zentraler Baustein beim Ausbau der KI-Rechenzentren-Infrastruktur.
ASML-Zahlen als nächster Test
Die kommende Handelswoche ab dem 13. Juli bringt gleich mehrere Termine, die für die gesamte Chip-Branche relevant werden könnten:
- ASML-Quartalszahlen: Der niederländische Anlagenbauer gilt als Gradmesser für die gesamte Lieferkette der Chip-Fertigung.
- US-Inflationsdaten: Die Verbraucherpreise werden Mitte Juli veröffentlicht, gefolgt von Einzelhandelsumsätzen und Industrieproduktion.
- Fed-Anhörung: Notenbankchef Kevin Warsh tritt vor dem Kongress auf. Investoren erwarten Hinweise zur künftigen Zinspolitik, die für hoch bewertete Tech-Aktien besonders empfindlich ist.
Charttechnik zeigt intakten Aufwärtstrend
Applied Materials notiert derzeit rund 18,71 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 647,80 Euro, das Ende Juni 2026 erreicht wurde. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 449,64 Euro bleibt mit 17,11 Prozent deutlich positiv – der mittelfristige Aufwärtstrend ist intakt.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 53 und signalisiert neutrale Bedingungen. Die Freitags-Rally hat die Aktie also noch nicht in überkaufte Zonen getrieben. Auffällig bleibt dennoch ein anderer Punkt: Insider haben in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 169,7 Millionen US-Dollar verkauft – bei einer Kursentwicklung von 129,56 Prozent seit Jahresbeginn ein Detail, das Anleger im Blick behalten dürften.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die frischen Kursziele von Stifel und Needham durch die ASML-Zahlen weitere Bestätigung finden. Sollte der Wettbewerber ähnlich robuste Nachfragesignale liefern, dürfte das den Aufwärtstrend bei Applied Materials zusätzlich untermauern.
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