Applied Materials verliert am Dienstag 5,61 Prozent und rutscht auf 490,85 Euro ab. Binnen sieben Handelstagen hat die Aktie damit 22,40 Prozent eingebüßt. Der Ausverkauf trifft die gesamte Halbleiterbranche und wirft eine Frage auf: Ist die KI-Rally an ihr Ende gekommen?
Samsung liefert Rekordzahlen, der Kurs fällt trotzdem
Der Auslöser kam am Dienstag aus Asien. Samsung Electronics meldete einen vorläufigen operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won — das Neunzehnfache des Vorjahreswerts. Die Aktie fiel trotzdem um fast 7 Prozent.
Diese Diskrepanz zwischen starken Zahlen und schwachem Kurs verunsichert Anleger weltweit. Der koreanische Kospi-Index brach um mehr als 8 Prozent ein. Der Handel wurde für 20 Minuten ausgesetzt.
Die Verkaufswelle schwappte direkt auf westliche Märkte über. Anleger sichern nach den massiven Kursgewinnen der ersten Jahreshälfte 2026 offenbar Gewinne. Im Zentrum steht die Sorge, ob die hohen Investitionen der großen Cloud-Anbieter bei den aktuellen Bewertungen noch tragfähig sind.
Bewertung und Insider-Verkäufe verschärfen den Druck
Bei Applied Materials trifft die Korrektur auf eine Aktie, die zuvor extrem gelaufen ist. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Plus von 113,97 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 201,50 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt bei rund 52 — der Branchendurchschnitt beträgt 23,6.
Hinzu kommen Verkäufe aus den eigenen Reihen. CEO Gary Dickerson hat in den vergangenen sechs Monaten 161.321 Aktien im Wert von etwa 104,8 Millionen Dollar verkauft. Solche Insider-Transaktionen nähren zusätzlich Zweifel an der aktuellen Bewertung.
Analysten bleiben trotz Kurssturz optimistisch
Die Einschätzungen der Wall Street zeichnen ein anderes Bild als der Kurs. Morgan Stanley hat das Kursziel jüngst von 502 auf 647 Dollar angehoben, stuft die Aktie aber weiterhin nur mit „Equalweight“ ein. Susquehanna geht mit einem Kursziel von 900 Dollar noch deutlich weiter und verweist auf den anhaltenden KI-getriebenen Superzyklus bei Fertigungsanlagen für Halbleiter.
Die Geschäftszahlen stützen diesen Optimismus. Im zweiten Fiskalquartal 2026 erzielte Applied Materials einen Umsatz von 7,91 Milliarden Dollar, ein Plus von 11 Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,86 Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten.
Charttechnik zeigt Abkühlung nach heißem Sommer
Der aktuelle Kurs liegt 24,23 Prozent unter dem Rekordhoch von 647,80 Euro vom 30. Juni 2026. Der 14-Tage-RSI steht bei 48,2 und signalisiert eine neutrale Marktlage, nachdem die Aktie im Frühsommer noch deutlich überkauft war. Gleichzeitig bleibt der Titel mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 96,71 Prozent extrem schwankungsanfällig.
Trotz des jüngsten Einbruchs notiert die Aktie noch immer knapp 12 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 438,74 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt sogar 63,25 Prozent. Ob sich die aktuelle Schwäche als kurzfristige Verschnaufpause erweist oder der Beginn einer längeren Abkühlungsphase für KI-Hardware ist, bleibt vorerst offen.
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