Ein Technologiekonzern aus dem Silicon Valley katapultiert sich mit einer Produktoffensive zurück an die Spitze der Kursliste. Die Aktie von Applied Materials legte am Montag um fast zehn Prozent zu und notiert bei 601,30 Euro. Damit fehlen nur noch gut vier Euro zum 52-Wochen-Hoch.
Sechs neue Chipfertigungssysteme sollen den Bau von 3D-Architekturen beschleunigen – vor allem für DRAM und Advanced Packaging. Die Maschinen zielen auf die sogenannte Memory-Wall ab, jene Grenze, an der klassische Speichertechnologien an ihr physikalisches Limit stoßen. Genau hier liegt der Engpass für KI-Anwendungen, die riesige Datenmengen in Echtzeit verarbeiten müssen.
KI-Welle erreicht die Lieferanten
Die neue Tool-Palette deckt 15 von 19 kritischen Prozessschritten für Through-Silicon-Via-Technologie ab. Das ist ein beachtlicher Wert. Sie gilt als Schlüssel für High-Bandwidth-Memory und Chiplet-Designs.
Bank of America hob das Kursziel auf 720 Dollar an – das höchste aller Analysten. Die Begründung: Die Investitionswelle für KI-Halbleiter sei bis 2028 sichtbar. Auch KeyBanc und Cantor Fitzgerald passten ihre Einschätzungen nach oben an.
Laut Deutscher Bank hat Applied Materials seinen Marktanteil im DRAM-Sektor seit 2013 massiv ausgebaut. Der Konzern ist heute ein kritischer Zulieferer für den KI-Superzyklus. Investoren drehen derzeit ihr Kapital von den großen Cloud-Anbietern hin zu den Hardware-Lieferanten.
Satte Gewinne, aber auch Warnsignale
Die Aktie liegt 162 Prozent im Plus seit Jahresbeginn. Auf 12-Monats-Sicht sind es sogar 287 Prozent. Dazu passt die Volatilität: annualisiert knapp 80 Prozent.
Doch es gibt Schattenseiten. Insider haben in den letzten drei Monaten Aktien für über 114 Millionen Dollar verkauft. Zudem sinkt der freie Cashflow. Einige Analysten raten daher zur Vorsicht – trotz der beeindruckenden Kursentwicklung.
Die Aktie notiert aktuell 108 Prozent über ihrer 200-Tage-Linie. Eine solche Überdehnung ist historisch selten und endete oft mit Rücksetzern. Diesmal könnte es anders sein – wenn der KI-Bedarf tatsächlich so nachhaltig ist, wie die optimistischen Analysten prognostizieren. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob die Aufträge die Erwartungen einlösen können.
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