Applied Digital verliert massiv an Wert. Der KI-Rechenzentrumsbauer schließt am Freitag bei 22,14 Euro, ein Minus von 4,16 Prozent an einem einzigen Tag. Auf Wochensicht steht ein Verlust von fast 19 Prozent, auf Monatssicht sind es sogar über 44 Prozent.
Zum Vergleich: Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch immer knapp 2 Prozent im Plus. Der Absturz der vergangenen Wochen zeigt also vor allem eines: Wie schnell Stimmung kippen kann, wenn ein prominenter Investor die Reißleine zieht.
Der Ausverkauf beschleunigt sich
Fernsehkommentare befeuerten den Abwärtstrend zusätzlich. Jim Cramer sagte bei CNBC, er möge die Aktie bei fallenden Kursen – riet Anlegern aber, „klein anzufangen, nicht groß“, weil das Unternehmen Geld verliert. Zusätzlich belastete ein schwacher Gesamtmarkt: S&P-500-Futures notierten zu Handelsbeginn 0,9 Prozent im Minus.
Technisch sieht das Bild düster aus. Die Aktie notiert unter ihrem 20-, 50- und 200-Tage-Durchschnitt – ein klassisches Warnsignal, das Erholungen meist deckelt. Der 20-Tage-Schnitt ist zudem unter den 50-Tage-Schnitt gefallen, während der 50-Tage-Schnitt immerhin noch über dem 200-Tage-Wert liegt.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 43,48 Euro aus Ende Mai trennen die Aktie inzwischen fast 49 Prozent. Der RSI von 26,2 signalisiert ein tief überverkauftes Papier, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 70 Prozent. Beides deutet auf einen Markt hin, der jede Nachricht extrem verstärkt.
Nvidias Rückzug wiegt schwer
Der eigentliche Auslöser der mehrmonatigen Talfahrt liegt tiefer: Nvidia hat sich aus seiner Aktienbeteiligung an Applied Digital zurückgezogen. Der Ausstieg trifft die Aktie vor allem symbolisch. Er nährt Zweifel an der strategischen Nähe zu einem der wichtigsten KI-Partner überhaupt und entzieht dem Unternehmen ein prominentes Gütesiegel.
Hinzu kommt die Sorge vor Verwässerung. Aktionäre fürchten, dass die jüngsten großen Finanzierungsrunden den Anteilswert bestehender Aktien schmälern könnten – zu einem Zeitpunkt, an dem das Vertrauen ohnehin fragil ist.
Analysten sind sich über die Bedeutung des Nvidia-Ausstiegs uneinig. Der Rückzug muss nicht zwingend operative Probleme bedeuten. Märkte deuten den Abschied prominenter Investoren aber häufig als Zeichen dafür, dass Bewertungen zu weit gelaufen sind. Viele Anleger überdenken seither ihre langfristigen Annahmen zum fairen Wert der Aktie.
Wachstum auf Pump
Trotz des Kursverfalls läuft der operative Ausbau weiter. Applied Digital kontrolliert derzeit rund 1,7 Gigawatt an betriebsbereiter oder vertraglich gesicherter Rechenkapazität. Weitere 1,3 Gigawatt befinden sich im Bau.
Die langfristigen Leasingverträge mit CoreWeave bleiben das Kernstück der Investmentstory. Kundenverträge über rund 600 Megawatt liefern zusätzlich eine solide Umsatzsichtbarkeit für die kommenden Jahre.
Dieses Wachstum kostet allerdings viel Geld. Anleger sorgen sich zunehmend über die aggressive, schuldenfinanzierte Expansion, die starke Abhängigkeit von CoreWeave als Kunde und anhaltende Verluste nach US-Bilanzstandard trotz kräftigem Umsatzwachstum. Erst kürzlich platzierte Applied Digital Anleihen im Volumen von 1,59 Milliarden Dollar, um den Ausbau des Polaris-Forge-1-Campus zu finanzieren. Die Gesamtverschuldung liegt damit bei etwa 2,7 Milliarden Dollar.
Was jetzt zählt
Der Blick richtet sich nun auf den Quartals- und Jahresbericht, den Applied Digital für Ende Juli angekündigt hat. Management wird bei der Telefonkonferenz vor allem zu Umsatzwachstum, Vertragsausweitung, Auslastung der Rechenzentren und künftigen Kapazitätsplänen Stellung nehmen müssen. Investoren dürften zudem genau hinschauen, wie das Unternehmen seine Investitionsausgaben und die Finanzierung kommender Projekte plant.
Angesichts der Volatilität der vergangenen Wochen könnte der Ausblick des Managements wichtiger werden als die reinen Quartalszahlen. Mit einer tief überverkauften Aktie weit unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten wird der Bericht zum Test dafür, ob die vertraglich gesicherte Leasing-Pipeline das verlorene Vertrauen zurückbringen kann.
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