Applied Digital zählt zu den auffälligsten Gewinnern im Sektor der KI-Rechenzentrumsbetreiber. Nach einem Kursrutsch von rund 43 Prozent binnen eines Monats hat die Aktie in den vergangenen Handelstagen kräftig zugelegt – parallel zu einer breiteren Erholung bei Rechenzentrums-Titeln wie IREN, TeraWulf und Core Scientific. Grund für den Umschwung: Der Titel galt zuvor als deutlich überverkauft, und mit den anstehenden Quartalszahlen rückt nun die fundamentale Story wieder in den Fokus.
Am Dienstag notiert die Aktie bei 25,66 Euro und liegt damit 5,42 Prozent im Plus. Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Titel 25,69 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 34,53 Euro – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Abwärtstrend noch nicht überwunden ist. Der Relative-Stärke-Index von 39,2 zeigt zugleich, dass die extreme Überverkauftheit der vergangenen Wochen inzwischen abgebaut wurde.
Q4-Zahlen als nächster Katalysator
Applied Digital meldet die Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 am 27. Juli nach Börsenschluss, mit einer Telefonkonferenz um 17 Uhr Ostküstenzeit. Analysten rechnen je nach Schätzung mit einem Verlust zwischen 0,20 und 0,36 US-Dollar je Aktie bei Umsätzen von rund 92 Millionen US-Dollar. Der Vergleich zum Vorquartal macht Anleger vorsichtig optimistisch: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres hatte Applied Digital mit einem Gewinn von 0,09 US-Dollar je Aktie die Konsensschätzung von minus 0,17 US-Dollar klar übertroffen, der Umsatz kletterte um 139 Prozent auf 126,6 Millionen US-Dollar und lag damit weit über der Erwartung von 77,11 Millionen US-Dollar. Es war laut Marktbeobachtern bereits der siebte Quartalsgewinn in Folge, der die Erwartungen schlug.
Die Optionsmärkte preisen für den Handelstag nach der Vorlage eine Kursbewegung von rund 13 Prozent ein. Historisch hat Applied Digital diese implizite Bewegung in vier der vergangenen acht Berichtstermine deutlich übertroffen – etwa im Januar 2026, als die Aktie um 32,6 Prozent zulegte, obwohl der Markt nur 14,2 Prozent erwartet hatte, oder im Oktober 2025 mit einem Sprung von 36 Prozent gegenüber einer eingepreisten Bewegung von 18,3 Prozent.
Wachstumsstory zwischen CoreWeave-Nachfrage und hoher Verschuldung
Der operative Rückenwind kommt vor allem von CoreWeave, das laut Unternehmensangaben maßgeblich die Nachfrage nach dem Polaris-Forge-Projekt treibt. Applied-Digital-CEO Wes Cummins verwies zuletzt darauf, dass die Kapitalausgaben der großen Hyperscaler von rund 400 Milliarden auf etwa 700 Milliarden US-Dollar gestiegen seien – ein struktureller Rückenwind für Rechenzentrumsbetreiber. Cummins bekräftigte zudem das Ziel, den Nettobetriebsertrag (NOI) binnen fünf Jahren auf eine Milliarde US-Dollar zu steigern. Über die fünf sogenannten AI-Factory-Campus des Unternehmens sollen sich vertraglich gesicherte Leasingerlöse von rund 36 Milliarden US-Dollar erstrecken, der Bau komme nach Unternehmensangaben planmäßig und im Budget voran.
Die Kehrseite ist eine ambitionierte Bewertung und ein hoher Fremdkapitalanteil. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von Applied Digital liegt je nach Berechnung zwischen 21 und 26 und damit deutlich über dem des Wettbewerbers CoreWeave, der auf einen Wert von rund 6 kommt – bei einem allerdings auch deutlich höheren Schuldenberg von 25 Milliarden US-Dollar gegenüber 2,6 Milliarden US-Dollar bei Applied Digital. Die operative Marge liegt bei minus 23 Prozent, die Verschuldung entspricht rund 38 Prozent des Marktwerts. Frisches Kapital sicherte sich das Unternehmen zuletzt über 4,1 Milliarden US-Dollar an Vorzugsaktien, die der Finanzinvestor Macquarie zeichnete.
Am Kapitalmarkt bleibt die Erwartungshaltung ambitioniert: Der durchschnittliche Analystenkurs liegt bei 70,56 US-Dollar, was einem Aufschlag von etwa 153 Prozent entspräche. Lake Street hob sein Kursziel zuletzt auf 90 US-Dollar an, Needham auf 83 US-Dollar. Gleichzeitig verkauften Insider in den vergangenen drei Monaten 35.000 Aktien, während institutionelle Investoren rund 65,67 Prozent der Anteile halten und die Leerverkaufsquote bei etwa 27 Prozent liegt – ein Hinweis darauf, dass die Meinungen zur weiteren Kursentwicklung deutlich auseinandergehen.
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