Der Spezialist für digitale Infrastruktur Applied Digital hat mit seinen jüngsten Geschäftszahlen die Prognosen des Marktes weit hinter sich gelassen. Neben einem massiven Umsatzsprung im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 treibt das Unternehmen den Ausbau seiner Rechenzentrums-Kapazitäten voran und sichert sich langfristige Verträge mit einem Volumen in Milliardenhöhe. An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 25,08 Euro, was einem Rückgang von 0,95 % gegenüber dem Vortag entspricht.
Rekordumsatz und neue Unternehmensstruktur
Am 27. Juli legte Applied Digital die Ergebnisse für das vierte Quartal vor. Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von 258,7 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die im Vorfeld lediglich mit rund 96,9 Millionen US-Dollar gerechnet hatten, deutlich. Auch beim Ergebnis pro Aktie gab es eine Überraschung: Statt des prognostizierten Verlusts von 0,19 US-Dollar meldete das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von 0,04 US-Dollar je Aktie.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 belief sich der Umsatz auf 611,3 Millionen US-Dollar. Dies entspricht einer Steigerung von 167 % im Vergleich zum Vorjahr. Parallel zu diesen Finanzdaten vollzog das Unternehmen die Abspaltung seines Cloud-Service-Geschäfts. Infolge dieser Transaktionen hält Applied Digital nun etwa 96 % der Anteile an der ChronoScale Holdings Corporation. Diese strategische Neuausrichtung soll die Fokussierung auf die Kernbereiche der IT-Infrastruktur stärken.
Milliardenschwere Mietverträge für IT-Infrastruktur
Ein wesentlicher Treiber für das künftige Wachstum ist der massive Ausbau der Rechenzentren. Unternehmensangaben zufolge verfügte Applied Digital zum 31. Mai 2026 über unterzeichnete langfristige Mietverträge mit einer IT-Last von insgesamt rund 1.410 Megawatt. Diese verteilen sich auf fünf Standorte in North Dakota und Louisiana. Über die anfängliche Grundlaufzeit von 15 Jahren repräsentieren diese Verträge ein potenzielles Gesamtumsatzvolumen von etwa 36 Milliarden US-Dollar.
Besonders hervorzuheben ist ein im Juni unterzeichneter Vertrag über 210 Megawatt am Standort Delta Forge 2 mit einem US-Hyperscaler aus dem Investment-Grade-Bereich. Dieser Kontrakt allein garantiert einen Basisumsatz von 5,2 Milliarden US-Dollar, der sich bei einer Verlängerung auf bis zu 12,7 Milliarden US-Dollar erhöhen könnte. Auch operativ wurden Fortschritte erzielt: Am Standort Polaris Forge 1 wurde Ende Juni die erste Phase des zweiten Gebäudes fertiggestellt, wodurch die dortige Live-Kapazität auf 175 Megawatt anstieg. Trotz der heutigen Kursbewegung weist der Wert seit Jahresbeginn ein Plus von 15,58 % auf.
Analysten erhöhen Kursziele deutlich
Die operativen Fortschritte und die starken Quartalszahlen haben bei mehreren Analysehäusern zu positiven Einschätzungen geführt. Gestern passten die Experten von Morgan Stanley ihre Bewertung an und erhöhten das Kursziel für das Papier von 36,50 auf 37,50 US-Dollar, wobei sie die Einstufung auf „Equal-Weight“ beließen. Die Analysten reagierten damit auf die verbesserte Sichtbarkeit der künftigen Cashflows durch die langfristigen Verträge.
Noch optimistischer äußerten sich die Analysten von B. Riley am Montag. Sie bestätigten ihre Kaufempfehlung und hoben das Kursziel deutlich von 66 auf 75 US-Dollar an. Bereits kurz nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende Juli hatte Needham & Company ein Kursziel von 83 US-Dollar bekräftigt. Zudem meldeten Medienberichte, dass Lucid Capital die Beobachtung des Wertes mit einer Kaufempfehlung neu aufgenommen hat. Das nächste große Ereignis für Anleger ist die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres, die für den 14. Oktober geplant ist.
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