Apple hat die App des Messaging-Dienstes Telegram für wenige Stunden aus dem App Store geworfen — wegen der Verbreitung von Missbrauchsmaterial durch einen einzelnen Nutzer. Die Blitzaktion sorgte für Wirbel, war aber ebenso schnell wieder vorbei, wie sie begann. Parallel dazu verschärft Apple im Hintergrund einen ganz anderen Konflikt: den Rechtsstreit gegen OpenAI.
Kurzer Bann, viel Kritik
Ein Nutzer hatte in einer Telegram-Gruppe kinderpornografisches Material verbreitet. Apple entfernte die App daraufhin aus der Download-Plattform für iPhones, ließ sie aber noch am selben Tag wieder zu, nachdem Telegram die Inhalte löschte und den Verantwortlichen sperrte. Telegram-Gründer Pawel Durow machte einen Erpresser verantwortlich, der Schutzgeld von Gruppenbetreibern fordere — die automatisierten Prüfsysteme hätten den veränderten Beitrag deshalb übersehen.
Der Vorfall reiht sich in eine lange Liste von Kontroversen um Telegram ein, von der Festnahme Durows in Frankreich 2024 bis zu laufenden Verfahren in Australien und Großbritannien. Kritiker wie Epic-Games-Chef Tim Sweeney warfen Apple vor, mit demselben Maßstab müsste auch iMessage regelmäßig aus dem Store fliegen.
OpenAI-Klage nimmt an Schärfe zu
Während die Telegram-Episode schnell abgeschlossen war, treibt Apple parallel den Rechtsstreit gegen OpenAI voran. Der Konzern beantragte eine einstweilige Verfügung, die OpenAI die Entwicklung eigener KI-Hardware untersagen soll — aus Sorge, dabei würden Apple-Geschäftsgeheimnisse verwendet. Apple identifizierte nach eigenen Angaben elf weitere frühere Mitarbeiter, die in die mutmaßliche Weitergabe vertraulicher Informationen involviert gewesen sein könnten, und verlangt beschleunigte Beweisaufnahme von OpenAI sowie dem von Ex-Apple-Designer Jony Ive mitgegründeten Hardware-Start-up. OpenAI weist die Vorwürfe zurück und spricht von einem unnötigen Antrag auf falscher Grundlage.
Die Offensive fällt in eine Phase des Führungswechsels: Zum 1. September übernimmt John Ternus als neuer CEO. Zusätzlich läuft ein weiterer juristischer Konflikt mit der britischen Regierung um verschlüsselte Nutzerdaten, den Apple diese Woche erneut vor Gericht brachte.
Aktie sucht nach Halt
Auf dem Kurszettel bleibt die Lage angespannt. Seit dem Quartalsbericht Ende Juli hat die Aktie mehr als zehn Prozent vom 52-Wochen-Hoch bei 344,57 US-Dollar verloren. Dabei fiel das Quartal mit einem Rekordumsatz von 109,4 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 2,02 US-Dollar eigentlich besser aus als erwartet.
Der Kurseinbruch folgte auf die Prognose: Das Management stellte für das laufende Quartal ein Umsatzwachstum von 9 bis 11 Prozent in Aussicht — unter dem Konsens von rund 12 Prozent — und warnte vor steigenden Speicherchip-Kosten, die die Bruttomarge unter 47 Prozent drücken könnten. DZ Bank stufte die Aktie daraufhin von „Buy“ auf „Neutral“ zurück, Phillip Securities senkte sie auf „Reduce“ mit einem Kursziel von 290 US-Dollar. Der breitere Analystenkonsens bleibt dennoch bei „Moderate Buy“.
Für die kommenden Wochen bleibt die Marge im Blick: Die iPhone-18-Pro-Modelle sollen im September starten, mitten in der Phase, in der sich zeigen muss, wie stark die Speicherpreise tatsächlich auf die Kalkulation durchschlagen.
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