Ein Gericht in Luxemburg hat Apple eine deutliche Abfuhr erteilt. Der Konzern wollte seine Einstufung als digitaler Torwächter kippen — vergeblich. Fast zeitgleich meldet Apple einen der größten Rückverlagerungs-Deals seiner Geschichte in die USA. Zwei Nachrichten, die zeigen, wie sehr sich der Konzern zwischen politischen Fronten bewegt.
EU-Gericht bestätigt Gatekeeper-Status
Das Gericht der Europäischen Union hat sämtliche Klagen von Apple gegen die Einstufung von iOS und App Store als „Gatekeeper“ nach dem Digital Markets Act abgewiesen. Die Richter folgten der Kommission auch in einem zentralen Streitpunkt: Die verschiedenen App-Store-Varianten für iPhone, iPad, Apple Watch, Mac und Apple TV gelten als ein einziger Plattformdienst — nicht als getrennte Angebote, wie Apple argumentiert hatte. Wäre das Gericht Apples Lesart gefolgt, hätte wohl nur der iOS-Store die Schwellenwerte für eine Gatekeeper-Einstufung erreicht.
Die Klage rund um den Nachrichtendienst iMessage erklärten die Richter für unzulässig, da die Prüfung durch die Kommission ohnehin eingestellt wurde. Apple kritisierte das Urteil scharf und sprach von Vorgaben, die über das rechtlich Zulässige hinausgingen. Ein Einspruch beim Europäischen Gerichtshof bleibt möglich — der Rechtsstreit ist damit noch nicht beendet.
Milliarden-Deal mit Broadcom für US-Fertigung
Während in Brüssel die Regulierung greift, setzt Apple in den USA ein Zeichen für heimische Produktion. Der Konzern hat mit Broadcom eine mehrjährige Vereinbarung im Wert von über 30 Milliarden Dollar geschlossen. Geplant ist die Fertigung von mehr als 15 Milliarden Chips in den Vereinigten Staaten, darunter Funkkomponenten für die drahtlose Anbindung von iPhones und anderen Geräten.
Broadcom investiert im Zuge des Deals 1,5 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Fertigungsanlage in Fort Collins, Colorado. Für Apple ist es die bislang größte Einzelzusage im Rahmen seines American Manufacturing Program — Teil des im vergangenen Jahr angekündigten Investitionsplans über 600 Milliarden Dollar für die US-Wirtschaft. Der Zeitpunkt dürfte kein Zufall sein: Die US-Regierung unter Präsident Trump hatte Apple zuvor mit Zöllen von bis zu 25 Prozent auf im Ausland gefertigte Produkte gedroht.
Analysten bleiben trotz Chinaschwäche zuversichtlich
Bernstein Research beließ die Einstufung für Apple bei „Outperform“ mit einem Kursziel von 350 Dollar. Der iPhone-Absatz sei im Mai weltweit gewachsen, angeführt von Japan und Schwellenländern. Einzige Ausnahme bleibt China: Dort brach der Umsatz im Jahresvergleich um 16 Prozent ein, legte im Monatsvergleich aber immerhin um 30 Prozent zu — ein Hinweis darauf, dass sich die Talsohle dort langsam abzeichnen könnte.
Die Apple-Aktie notierte im vorbörslichen US-Handel zuletzt bei rund 310 Dollar, leicht im Minus. Die Gemengelage aus regulatorischem Gegenwind in Europa und industriepolitischem Rückenwind in den USA dürfte die Aktie in den kommenden Wochen weiter begleiten — insbesondere, sollte Apple gegen das Luxemburger Urteil vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.
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