Am Dienstag war es kurz so weit: Apple überschritt die Marktkapitalisierung von fünf Billionen US-Dollar. Kurz, nicht dauerhaft, aber der Meilenstein ist gesetzt. Erst das zweite börsennotierte Unternehmen der Geschichte, das diesen Punkt erreicht. Weniger als ein Jahr zuvor, im Oktober 2025, hatte Apple die Vier-Billionen-Grenze geknackt. Seitdem sind die Aktien nochmals um gut 24 Prozent gestiegen, in zwölf Monaten um knapp 60 Prozent. Der Kurs stand zuletzt bei 339,50 Dollar.
Die KI-Ironie des Jahres
Was dabei auffällt: Apple wird gefeiert, obwohl das Unternehmen im KI-Rennen hinterherhinkt. Oder vielleicht gerade deshalb. Während Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon Hunderte Milliarden in Rechenzentren pumpen und dabei ihren freien Cashflow nahezu vollständig auffressen, hält Apple an seinem „Asset light“-Ansatz fest. Externe Modelle integrieren, die eigene installierte Basis von Hunderten Millionen Geräten nutzen, KI über Services und iPhone-Upgrades monetarisieren. Kein eigener Supercomputer-Wahnsinn, kein Kapitalmarktdruck.
Der Philadelphia Semiconductor Index ist derweil mehr als 20 Prozent von seinem Hochpunkt gefallen. Nvidia, die große Profiteurin der Hyperscaler-Investitionswelle, liegt rund 13 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Mai. Die Begeisterung für KI-Infrastruktur hat sich merklich abgekühlt. Apples Modell sieht plötzlich klüger aus, zumindest aus Sicht der Anleger.
Siri kommt, irgendwann
Dabei hat Apple durchaus Baustellen. Die verbesserte Siri, die nach der Apple-Intelligence-Vorstellung 2024 mehrfach verschoben wurde, soll noch in diesem Jahr als Beta starten. Für den Antrieb des Sprachassistenten hat Apple eine Partnerschaft mit Googles Gemini-Modellen geschlossen, was die Frage aufwirft, wie eigenständig Apples KI-Strategie wirklich ist. Einen globalen Speicher- und Storage-Engpass, der die Preise einiger Mac- und iPad-Modelle nach oben treibt, muss das Unternehmen ebenfalls managen.
Donnerstag entscheidet
Am 30. Juli legt Apple Quartalszahlen vor. Der Konsens liegt bei rund 109 Milliarden Dollar Umsatz. Der Markt will sehen, ob iPhone und Services die inzwischen rekordhohe Bewertung tragen. Steigende Komponentenkosten könnten auf die Margen drücken, das ist der Haken, über den noch kaum jemand redet.
Und dann, wenige Tage nach dem traditionellen September-Keynote, übernimmt John Ternus am 1. September den CEO-Posten von Tim Cook, der Executive Chairman wird. Ternus kommt aus dem Hardware-Engineering, was Hinweise auf Apples Prioritäten geben könnte: Das erste faltbare iPhone soll ebenfalls im Herbst kommen.
Fünf Billionen Dollar Marktkapitalisierung, ein neuer Chef, eine verschobene KI-Strategie und Quartalszahlen in zwei Tagen. Ruhige Zeiten sehen anders aus.
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