Apple hat im dritten Geschäftsquartal so ziemlich alles übertroffen, was Analysten erwartet hatten – und die Aktie fiel trotzdem im vorbörslichen Handel um mehr als sieben Prozent. Der Grund liegt nicht in der Vergangenheit, sondern im Ausblick: Apple rechnet für das laufende Quartal mit deutlich schwächerem Wachstum als die Wall Street eingepreist hatte. Schuld sind Lieferengpässe bei Chips, die selbst dem größten Kunden der Halbleiterbranche zunehmend zu schaffen machen.
Rekordquartal, verhaltener Blick nach vorn
Die Zahlen selbst lassen wenig Raum für Kritik. Der iPhone-Umsatz kletterte im Jahresvergleich um knapp 22 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar – das beste dritte Quartal der Firmengeschichte. Der Gesamtumsatz stieg um 16 Prozent auf 109,4 Milliarden Dollar, der Nettogewinn legte um 27 Prozent auf knapp 29,8 Milliarden Dollar zu, auch gestützt durch Rückzahlungen von US-Importzöllen.
Für das kommende Quartal erwartet Apple jedoch nur ein Umsatzwachstum zwischen 9 und 11 Prozent – der Markt hatte mit 12 Prozent gerechnet. Auch bei der Bruttomarge rechnet der Konzern mit einem Rückgang auf 47 bis 48 Prozent. Bei Dienstleistungen und im China-Geschäft blieb Apple trotz Zuwächsen hinter den hohen Erwartungen zurück, was den Ausverkauf zusätzlich befeuerte.
Die Lieferkette stößt an ihre Grenzen
Der eigentliche Auslöser für die Vorsicht liegt in der Produktion. Tim Cook sprach von „sehr signifikanten“ Engpässen mit „wenig Flexibilität“, vor allem bei modernsten Fertigungskapazitäten für die Apple-eigenen Prozessoren. Besonders betroffen ist die Mac-Sparte, obwohl das Mac-Geschäft mit einem Umsatzplus von 28,7 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar deutlich über den Erwartungen lag.
Der Hintergrund: Die globale Chipindustrie hat wegen des KI-Booms ihre Kapazitäten fast vollständig für den Ausbau von Rechenzentren verplant. Selbst ein Schwergewicht wie Apple hat aktuell weniger Verhandlungsmacht als üblich. Hinzu kommt ein drastischer Preisanstieg bei DRAM-Speicherchips, den Cook auf einen Markt mit nur drei großen Anbietern zurückführt – ein Zustand, den er ausdrücklich kritisierte. Apple hat deshalb bereits die Preise für Mac und iPad erhöht, das iPhone bislang verschont. Für die im September erwartete neue iPhone-Generation, zu der laut Marktbeobachtern erstmals auch ein aufklappbares Modell gehören soll, rechnen Analysten inzwischen fest mit Preiserhöhungen.
Analysten uneins über die Bewertung
Das Bild an der Wall Street bleibt gespalten. Evercore ISI bestätigte sein „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 365 Dollar, Baird hob sein Ziel auf 330 Dollar an. KeyBanc bleibt dagegen bei „Underweight“ und verweist auf ein nachlassendes Wachstum bei Nutzerzahlen. JPMorgan-Analyst Samik Chatterjee sieht die grundsätzlich starke Nachfrage durch die branchenweiten Lieferprobleme, steigende Speicherkosten und Wechselkursbelastungen getrübt.
Der Führungswechsel an der Spitze fällt mitten in diese Phase: Cook übergibt zum 1. September nach 15 Jahren an den bisherigen Hardware-Chef John Ternus. Wie stark die Chipknappheit den für Herbst geplanten iPhone-Start am Ende tatsächlich bremst, dürfte sich erst mit den Verkaufszahlen zur neuen Modellgeneration zeigen.
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