Starke Zahlen, eine verfehlte Gewinnprognose und eine unbesetzte Chefposition — bei AngioDynamics passt derzeit nicht alles zusammen. Der Medizintechnikkonzern aus Latham im US-Bundesstaat New York hat seine Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt, und die Reaktion an der Börse war deutlich: Die Aktie zog vorbörslich um 3,83 Prozent auf 13,27 Dollar an und näherte sich damit ihrem 52-Wochen-Hoch von 13,99 Dollar.
Med Tech treibt das Geschäft
Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 8,0 Prozent auf 86,6 Millionen Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten von rund 80,2 Millionen Dollar deutlich. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 7 Cent und fiel damit kleiner aus als die prognostizierten 9 Cent.
Getragen wurde das Wachstum erneut vom Med-Tech-Segment, das um 16,7 Prozent auf 41,8 Millionen Dollar zulegte — die siebte Quartals-Wachstumsserie in Folge im zweistelligen Bereich. Das klassische Med-Device-Geschäft wuchs dagegen nur leicht um 1,1 Prozent. Besonders auffällig: Die Atherektomie-Plattform Auryon verzeichnete bereits die 20. Quartals-Wachstumsserie in Folge, während die NanoKnife-Einwegprodukte um 47,0 Prozent zulegten. Für das gesamte Geschäftsjahr kletterte der Umsatz auf 320,2 Millionen Dollar, ein Plus von 9,4 Prozent, während das bereinigte EBITDA von 7,6 auf 13,2 Millionen Dollar anstieg. Mit 53,9 Millionen Dollar Kassenbestand und einer schuldenfreien Bilanz demonstriert das Unternehmen finanzielle Stabilität.
Prognose mit zwei Gesichtern
Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet AngioDynamics mit einem Umsatz zwischen 336 und 341 Millionen Dollar — der Mittelwert liegt rund 24,5 Millionen Dollar über den bisherigen Konsensschätzungen. Beim Gewinn sieht das Bild anders aus: Die avisierte Spanne von minus 0,29 bis minus 0,24 Dollar je Aktie verfehlt die Analystenerwartung von minus 0,20 Dollar. Das Management begründet dies mit fortgesetzten Investitionen in Wachstumsinitiativen sowie anhaltenden Belastungen durch Zölle, die auf ähnlichem Niveau wie im laufenden Geschäftsjahr erwartet werden.
Zur Unsicherheit trägt zudem bei, dass der amtierende Vorstandschef Jim Clemmer seinen Ruhestand angekündigt hat. Das Unternehmen sucht derzeit nach einem Nachfolger, einen konkreten Zeitplan für den Übergang gibt es bisher nicht. Bis zur Klärung dieser Frage dürfte die Aktie zwischen der Wachstumsstory im Med-Tech-Geschäft und der Unsicherheit über die künftige Führung schwanken.
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