Ein neuer Baustein für die Datenübertragung in KI-Rechenzentren treibt ams-OSRAM zum Wochenstart deutlich nach oben. Die Aktie legt zweistellig zu, an der Schweizer Börse notiert sie zwischenzeitlich bei rund 19,97 Franken. Auslöser ist eine neue microVCSEL-Plattform, die der österreichische Halbleiterhersteller auf einer Fachmesse in Málaga vorstellt.
Wide-and-Slow statt Kabelsalat
Mit wachsenden KI-Serverfarmen steigt nicht nur der Bedarf an Rechenleistung, sondern auch der Druck, Daten zwischen Prozessoren und Speichern schneller und effizienter zu bewegen. ams-OSRAM setzt dabei auf eine „Wide-and-Slow“-Architektur: Statt wenige Verbindungen mit extrem hohen Datenraten zu nutzen, verteilt die Technologie den Datenstrom auf viele optische Kanäle mit moderater Geschwindigkeit. Das Ergebnis sind 32 Gbit/s bei einer Energieeffizienz von rund 0,25 Picojoule pro Bit.
Technisch kombiniert die Plattform adressierbare microVCSEL-Arrays im 850-Nanometer-Bereich mit Silizium-TSV-Substraten. In Belastungstests über mehr als 2.000 Stunden bei erhöhter Temperatur und Strombelastung traten keine Ausfälle auf — ein Hinweis auf Reife der Technologie, aber noch kein Beleg für Serienreife im industriellen Maßstab.
Gemeinsam mit dem Partner BizLink zeigt ams-OSRAM einen Demonstrator, der die microVCSEL-Arrays mit einer Multicore-Faserlösung verbindet. Parallel arbeitet der Konzern an integrierten 3D-Photonik-Stacks, die microVCSELs, Mikro-Photodioden und CMOS-Elektronik zusammenführen sollen.
Kursziel-Anhebung verstärkt den Rückenwind
Der Kurssprung fällt nicht zufällig mit einer angehobenen Einschätzung der Deutschen Bank zusammen, die im Rahmen der jüngsten Quartalszahlen ihr Kursziel erhöht hatte.
Die technologische Neuigkeit trifft damit auf eine Story, die Anleger schon länger im Blick haben: ams-OSRAM hat sich zuletzt von Randbereichen getrennt, Schulden abgebaut und die Marge in den Vordergrund gestellt. Die Aussicht auf mögliche Kosteneinsparungen für Betreiber von KI-Rechenzentren gibt dieser Transformationsgeschichte nun ein zusätzliches Wachstumsargument.
Offen bleibt, was aus der Technik tatsächlich wird. Einen Starttermin für die Serienproduktion, konkrete Kundenaufträge oder erwartete Umsatzbeiträge nennt das Unternehmen bislang nicht. Wie ernst potenzielle Kunden und Partner das Angebot nehmen, dürfte sich in den Gesprächen auf der laufenden Fachmesse in Málaga zeigen.
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