Ams Osram Aktie: Zwei Patentklagen gegen Refond

Ams Osram reicht Patentklagen gegen Händler von Refond-LEDs ein. Quartalszahlen zeigen Umsatzplus, aber höheren Nettoverlust und negativen Cashflow.

Auf einen Blick:
  • Patentklagen gegen Refond-LED-Vertrieb
  • Umsatz steigt, Nettoverlust weitet sich aus
  • Milliardenanleihe senkt künftige Zinslast
  • Fokus auf KI-Photonik und Design-Wins

Ams Osram geht juristisch gegen den Vertrieb von Automotive-LED-Produkten des chinesischen Herstellers Refond Optoelectronics vor. Der Halbleiterkonzern hat in Deutschland zwei Patentklagen gegen einen Distributor eingereicht, der die Bauteile verkauft.

Gefordert werden Unterlassung, Schadenersatz sowie Rückruf und Vernichtung der betroffenen Produkte. Die Klagen fallen in eine Phase, in der Ams Osram operativ auf mehreren Baustellen gleichzeitig arbeitet.

Zahlen zeigen gemischtes Bild

Anfang August hatte das Unternehmen seine Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Der Umsatz stieg auf 805 Millionen Euro nach 775 Millionen Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA sank dagegen leicht auf 136 Millionen Euro von 145 Millionen Euro, die bereinigte Marge lag mit 16,9 Prozent aber am oberen Ende der eigenen Prognosespanne.

Für das dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 16,0 Prozent, plus/minus 1,5 Prozentpunkte, in Aussicht.

Deutlich weniger erfreulich fiel die Bilanz beim Cashflow und beim Nettoergebnis aus. Der Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026 weitete sich auf 276 Millionen Euro aus, verglichen mit einem Fehlbetrag von 81 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Der freie Cashflow rutschte im zweiten Quartal auf minus 119 Millionen Euro ab, nachdem im ersten Quartal noch ein Plus von 37 Millionen Euro zu Buche stand. Belastet wurde die Kasse durch den Abbau von Factoring, durch Kosten des laufenden Umbauprogramms „Simplify“ sowie durch Zinszahlungen im Zusammenhang mit Anleiherückkäufen.

Neue Anleihe soll Zinslast senken

Um die Finanzierungskosten in den Griff zu bekommen, platzierte Ams Osram vorrangige Anleihen im Volumen von einer Milliarde Euro mit einem Kupon von 7,25 Prozent. Die Maßnahme soll die jährlichen Zinsaufwendungen um rund 40 Millionen Euro senken und schafft damit etwas Luft für die laufende Restrukturierung.

Flankiert wird der finanzielle Umbau durch einen strategischen Fokus auf Wachstumsfelder abseits des klassischen Kerngeschäfts: Unter dem Stichwort „AI-Photonics“ startete das Unternehmen die Entwicklung von Micro-Photodioden-Arrays für optische Verbindungen in Rechenzentren, die für KI-Anwendungen genutzt werden sollen.

Untermauert wird die Wachstumsstory durch bestätigte Design-Wins im Wert von über 1,6 Milliarden Euro allein im zweiten Quartal, was sich auf rund 2,5 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 summiert. Am 4. August bezeichnete das Analystenhaus Jefferies die Aktie als den günstigsten Titel im globalen Halbleitersektor und verwies auf das Milliardenpotenzial neuer Lichttechnologien für Smartglasses und KI-Rechenzentren.

Portfolio-Bereinigung schreitet voran

Die Neuausrichtung des Konzerns zeigt sich auch am Rückzug aus Randgeschäften: Anfang Juli wurde der Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon Technologies vollzogen, im Mai zuvor hatte man den Verkauf des CMOS-Bildsensorgeschäfts an Indie Semiconductors vereinbart. Beide Schritte passen zur Strategie, sich auf Photonik und optische Anwendungen zu konzentrieren.

An der Börse zeigte sich zuletzt eine gewisse Nervosität: Am Freitag schloss die Aktie bei 20,30 Euro und gab um 1,0 Prozent nach. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 5,2 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mit 141 Prozent mehr als verdoppelt.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 26,70 Euro, erreicht Ende Mai, ist das Papier um 24 Prozent entfernt – ein Hinweis darauf, dass trotz der operativen Fortschritte noch nicht alle Anleger von der Erholung überzeugt sind.

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