Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs von Ams Osram mehr als verdoppelt. Hinter dieser Rally steckt kein Zufall — sondern ein laufender Konzernumbau, der jetzt in seine entscheidende Phase tritt.
Hauptversammlung gibt grünes Licht
Auf der ordentlichen Hauptversammlung in Premstätten stimmten die Anteilseigner allen Tagesordnungspunkten zu. Teils mit Mehrheiten von bis zu 100 Prozent. Die Aufsichtsratsmitglieder Andreas Gerstenmayer und Arunjai Mittal wurden wiedergewählt — ihre Mandate laufen bis 2030.
Das klare Votum gilt am Markt als Rückenwind für den laufenden Umbau.
Infineon-Deal als nächster Meilenstein
Der wichtigste ausstehende Katalysator ist der Abschluss des Verkaufs der nicht-optischen Sensorsparte. Infineon Technologies zahlt dafür 570 Millionen Euro. Es handelt sich um einen Asset Deal: Sensorprodukte, geistiges Eigentum und F&E-Kapazitäten wechseln den Besitzer. Rund 230 Mitarbeitende folgen zur Infineon-Einheit SURF.
Der Abschluss ist für das zweite Quartal geplant. Der Verkauf des Speziallampengeschäfts an Ushio ist bereits vollzogen. Zusammen erwartet das Management Verkaufserlöse von rund 670 Millionen Euro.
Zinslast soll sich halbieren
Das frische Kapital fließt direkt in den Schuldenabbau. Ams Osram platzierte neue Anleihen über eine Milliarde Euro zu einem Zinssatz von 7,25 Prozent sowie weitere Papiere über 700 Millionen Euro. Die jährlichen Zinskosten sinken dadurch um rund 40 Millionen Euro.
Das Ziel: Die Finanzierungskosten sollen bis 2028 unter 150 Millionen Euro pro Jahr fallen. Aktuell zahlt das Unternehmen noch bis zu 300 Millionen Euro jährlich. Die revolvierende Kreditfazilität über 600 Millionen Euro läuft bereits bis September 2028 — mit Option auf Verlängerung bis 2030.
Operative Basis hält
Im ersten Quartal 2026 erzielte Ams Osram einen Umsatz von 796 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 16,5 Prozent. Das Halbleiter-Kerngeschäft wuchs um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für das zweite Quartal peilt das Management einen Umsatz zwischen 725 und 825 Millionen Euro an — bei einer EBITDA-Marge von rund 15,5 Prozent. Am Jahresziel hält die Führung fest: ein freier Cashflow von über 300 Millionen Euro. Finanzchef Rainer Irle sieht das Unternehmen auf Kurs für einen positiven Free Cashflow ab 2027 — noch vor etwaigen Desinvestitionserlösen.
Parallel läuft das Sparprogramm „Simplify“ für 2026 bis 2028. Es soll dauerhaft 200 Millionen Euro Kosten einsparen — unter anderem durch höheren Automatisierungsgrad an europäischen Standorten. Strategisch will sich Ams Osram künftig auf optische Lösungen für KI-Rechenzentren und Augmented-Reality-Anwendungen konzentrieren.
Mit einem YTD-Plus von 136 Prozent und einem Kurs von 20,10 Euro liegt die Aktie bereits 73 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Das 52-Wochen-Hoch bei 26,70 Euro markiert die nächste relevante Hürde — rund 25 Prozent über dem aktuellen Niveau. Der RSI von 51,7 signalisiert dabei keine überkaufte Lage. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 134,7 Prozent zeigt aber, wie viel Unsicherheit rund um den Umbau noch eingepreist ist.
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