Der Halbleiterhersteller Ams Osram hat mit seinen Ergebnissen für das zweite Quartal 2026 die Erwartungen vieler Marktbeobachter übertroffen. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds verzeichnete das Unternehmen einen leichten Umsatzanstieg, während strategische Meilensteine im Bereich der MicroLED-Technologie und bedeutende Neuaufträge die langfristige Ausrichtung untermauern. An der Börse spiegelt sich die Zuversicht der Anleger bereits deutlich wider: Das Papier hat seit Jahresbeginn um 141 Prozent zugelegt.
Bilanz des zweiten Quartals und operative Fortschritte
In den Monaten April bis Juni 2026 erwirtschaftete Ams Osram einen Umsatz von 805 Millionen Euro, was eine Steigerung gegenüber den 775 Millionen Euro des Vorjahresquartals darstellt.
Getragen wurde dieses Wachstum vor allem durch ein starkes Halbleitergeschäft in den Segmenten Automotive und Industrie sowie ein robustes Geschäft mit Autolampen. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) lag mit 136 Millionen Euro hingegen unter dem Vorjahreswert von 145 Millionen Euro, was einer EBITDA-Marge von 16,9 Prozent entspricht.
Besonders hervorzuheben ist das Rekordniveau bei den sogenannten Design Wins. Im zweiten Quartal sicherte sich das Unternehmen Aufträge mit einem geschätzten Gesamtwert über die Laufzeit von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Für das gesamte erste Halbjahr summiert sich dieser Wert auf rund 2,5 Milliarden Euro.
Technologisch meldete das Unternehmen zudem Fortschritte bei MicroLED-Arrays, die für den Einsatz in Augmented-Reality-Smartbrillen vorgesehen sind. Parallel dazu wurden zum 1. Juli eigenständige Geschäftsbereiche für den Bereich Digital Photonics etabliert.
Strategische Neuausrichtung und Schuldenmanagement
Ein wesentlicher Baustein der aktuellen Unternehmensstrategie ist die Straffung des Portfolios. Am 1. Juli schloss Ams Osram den Verkauf seines nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorportfolios an Infineon ab. Diese Transaktion brachte dem Unternehmen einen Barzufluss von 570 Millionen Euro ein, wobei etwa 230 Mitarbeiter zum Käufer wechselten.
Die neu gewonnenen liquiden Mittel sollen unmittelbar zur Stärkung der Bilanz eingesetzt werden. Ams Osram plant ein öffentliches Rückkaufangebot (Tender Offer) für Wandelschuldverschreibungen mit Fälligkeit 2027 sowie vorrangige Anleihen mit Fälligkeit 2029. Das Volumen dieses pro-rata Rückkaufs wird auf 120 bis 150 Millionen Euro beziffert. Aktuell kostet das Papier an der Börse 20,30 Euro und notiert damit rund 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von Ende Mai.
Analysten bewerten Cashflow und Marktpotenzial
In Analystenkreisen lösten die Zahlen ein geteiltes Echo aus. Die Analysten von Jefferies bezeichneten die Aktie am 5. August als eine der günstigsten im globalen Halbleitersektor und hoben insbesondere die Fortschritte bei Digital Photonics hervor. Sie sehen ein Milliardenpotenzial durch Anwendungen in Smartbrillen und KI-Rechenzentren. Auch die UBS sprach am selben Tag von einem soliden Zahlenwerk und stellte steigende Gewinnschätzungen für das laufende Jahr in Aussicht.
Kritikpunkte gab es hingegen beim freien Cashflow, der im zweiten Quartal auf minus 119 Millionen Euro sank, nachdem im ersten Quartal noch ein positiver Wert von 37 Millionen Euro erzielt worden war. Analysten der Zürcher Kantonalbank und von Vontobel bezeichneten diese Entwicklung am 5. August als deutlich schwächer als erwartet.
Dennoch wertete die Zürcher Kantonalbank das Kerngeschäft als sehr positiv und sieht das Unternehmen weiterhin auf einem guten Weg. Für das dritte Quartal gibt Ams Osram eine Guidance für den Umsatz in einer Spanne von 770 bis 870 Millionen Euro ab, bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 14,5 und 17,5 Prozent.
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