Wer ams-OSRAM zuletzt abgeschrieben hatte, musste am Mittwoch zweimal hinschauen. Die Aktie sprang an der Schweizer Börse SIX zum Handelsstart um über 15 Prozent nach oben, und das nicht wegen eines Übernahmegebots, sondern wegen Quartalszahlen, die schlicht besser waren als befürchtet.
796 Millionen Euro, oberes Ende der Spanne
Im ersten Quartal 2026 erzielte ams-OSRAM Umsätze von EUR 796 Millionen. Das liegt im oberen Bereich der eigenen Guidance. Die bereinigte EBITDA-Marge kam auf 16,5 Prozent, ebenfalls am oberen Ende. Wer die letzten Quartale verfolgt hat, weiß: Das war nicht selbstverständlich.
Das Kernportfolio im Halbleiterbereich wuchs auf vergleichbarer Basis um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bereinigt um Wechselkurseffekte und ausgelaufene Nicht-Kernaktivitäten. Der schwache Dollar hat dabei rund EUR 46 Millionen Umsatz gekostet, also mehr als man auf den ersten Blick sieht.
KI-Photonics: Der eigentliche Kursmotor
Was den Kurs wohl noch mehr beflügelt hat als die Quartalszahlen selbst: ams-OSRAM hat einen Entwicklungsvertrag mit einem führenden KI-Rechenzentrum-Partner unterzeichnet. Optische Verbindungen auf Basis von Micro-Emitter-Arrays für KI-Datenzentren, das ist das Feld, das das Unternehmen jetzt mit einem konkreten Industriepartner bearbeitet. CEO Aldo Kamper formulierte es so: „Die Transformation zum führenden Unternehmen in Digital Photonics gewinnt an Fahrt.“
Dazu kommt das Augmented-Reality-Geschäft. ams-OSRAM schätzt den möglichen Komponentenwert pro Smart-Glass-Gerät auf EUR 50 bis 100, je nach Volumen und Produktlebenszyklus. Das klingt nach Zukunftsmusik, aber das Unternehmen liefert bereits Komponenten in aktuelle Geräte.
ams-OSRAM Aktie Chart
Free Cash Flow: Noch nicht da, aber in Sicht
Der Free Cash Flow lag im ersten Quartal bei EUR 37 Millionen, inklusive Verkaufserlösen aus der Specialty-Lamps-Transaktion mit Ushio Inc. Ein Jahr zuvor stand hier noch minus EUR 28 Millionen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen einen Free Cash Flow von über EUR 300 Millionen, gestützt durch Veräußerungserlöse, Rückzahlung von Kundenvorkasse und einen kräftigen Abbau des Factoringvolumens.
Für 2027 sieht das Management erstmals einen positiven Free Cash Flow in Sicht, inklusive Nettozinsen und ohne Veräußerungserlöse. Das ist der Punkt, den der Markt offenbar lange vermisst hat: eine konkrete Aussage, wann das Unternehmen aus eigener Kraft positiv wird.
Nettoverlust bleibt ein Haken
Wer jetzt nur die Kursreaktion sieht, sollte auch das bereinigt negative Nettoergebnis von EUR minus 72 Millionen nicht übersehen. Das ist deutlich schlechter als die EUR minus 23 Millionen im Vorjahreszeitraum, getrieben vor allem durch höhere Finanzierungskosten und eine negative Bewertungsänderung der Call-Prämie in den ausstehenden Senior Notes. Der verwässerte EPS lag bei minus EUR 0,74.
Für Q2 2026 erwartet ams-OSRAM Umsätze zwischen EUR 725 und EUR 825 Millionen bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 15,5 Prozent plus/minus 1,5 Prozentpunkte. Mehr als 15 Prozent Kurssprung für ein Quartal, das einen Nettoverlust von EUR 72 Millionen ausweist. Der Markt kauft hier die Geschichte von 2027, nicht die Zahlen von heute.
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