Ams Osram hat in Deutschland zwei weitere Patentverletzungsklagen eingereicht. Betroffen ist diesmal nicht der Wettbewerber Refond Optoelectronics selbst, sondern ein Distributor für elektronische Bauelemente, der automotive LED-Produkte des chinesischen Herstellers vertreibt. Das Unternehmen gab die Klagen am Montag bekannt und fordert eine dauerhafte Unterlassung, Schadensersatz sowie Rückruf und Vernichtung der betroffenen Produkte.
Die Klagen fügen sich in eine bereits am 13. August angekündigte Ausweitung der IP-Durchsetzungsmaßnahmen ein. Ams Osram will damit Innovationen im Bereich der Automobil-LEDs gegen unbefugte Nutzung schützen. Der Schritt gegen den Distributor zeigt, dass der Konzern nicht nur gegen Refond direkt, sondern auch entlang der Vertriebskette vorgeht – ein Signal an die gesamte Lieferkette der Branche.
Solide Quartalszahlen als Hintergrund
Die aggressive Rechtsdurchsetzung fällt in eine Phase, in der ams Osram operativ Boden gutmacht. Am 4. August meldete der Konzern für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 805 Millionen Euro am oberen Ende der eigenen Prognosespanne, bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,9 Prozent.
Das Halbleiter-Kernportfolio wuchs währungsbereinigt um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das dritte Quartal stellte das Management einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 16 Prozent in Aussicht.
Parallel dazu trieb der Konzern die Entschuldung voran. Der zum 1. Juli vollzogene Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon Technologies brachte 570 Millionen Euro ein, die vollständig zur Schuldentilgung verwendet wurden.
Zusätzlich platzierte ams Osram neue vorrangige Anleihen im Volumen von 1 Milliarde Euro mit einem Zinssatz von 7,25 Prozent, um bestehende Verbindlichkeiten zu refinanzieren – die jährlichen Zinsaufwendungen sollen dadurch um rund 40 Millionen Euro sinken.
Kursreaktion und Marktumfeld
Der Aktienkurs spiegelt die Erholungsgeschichte deutlich wider. Am Montag schloss das Papier bei 20,80 Euro, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Zuwachs von 4,0 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Trotz der starken Rally notiert die Aktie noch rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro, das im Mai erreicht wurde.
Zusätzlich zur Rechtsdurchsetzung treibt der Konzern seine technologische Positionierung voran. Neben den Patentklagen meldete ams Osram Fortschritte bei RGB-microLED-Arrays für Augmented-Reality-Datenbrillen sowie die Markteinführung eines Micro-Photodioden-Arrays für optische Verbindungen in KI-Rechenzentren.
Die Kombination aus verbesserter Bilanz, operativer Stärke und konsequenter Patentverteidigung dürfte das Vertrauen der Anleger in die eingeschlagene Strategie weiter stützen.
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