Ams Osram hat binnen weniger Monate sein Portfolio grundlegend umgebaut. Zwei große Randgeschäfte wurden veräußert, eine milliardenschwere Anleihe platziert und die Hauptversammlung ohne Widerstand durch die Aktionäre gebracht. An der Börse kommt davon zuletzt wenig an: Die Aktie hat sich spürbar von ihrem Jahreshoch entfernt.
Portfolio-Bereinigung abgeschlossen
Am 1. Juli 2026 vollzog ams-OSRAM den endgültigen Abschluss des Verkaufs seines Geschäftsbereichs für nicht-optische Analog- und Mixed-Signal-Sensoren an Infineon Technologies. Der Käufer zahlte dafür 570 Millionen Euro in bar, wie das Unternehmen und die Nachrichtenagentur dpa bestätigten. Bereits im Mai hatte der Konzern sein Geschäft mit CMOS-Bildsensoren für 40 Millionen Euro in bar an indie Semiconductor Inc. abgegeben. Beide Transaktionen fügen sich in eine Strategie, mit der sich ams-OSRAM auf sein Kerngeschäft konzentrieren und gleichzeitig Mittel für den Schuldenabbau freisetzen will.
Parallel dazu trieb der Konzern seine technologische Neuausrichtung voran. Im März 2026 meldete das Unternehmen Fortschritte bei MicroLED-Arrays der EVIYOS-Technologie, die für die optische Datenübertragung in KI-Rechenzentren eingesetzt werden sollen, und kündigte den Start der entsprechenden Produktentwicklung an. Der Schritt markiert einen Kontrapunkt zur MicroLED-Krise von 2024, als die Stornierung eines Schlüsselprojekts – Reuters berichtete über einen mutmaßlichen Bezug zur Apple Watch Ultra – zu Abschreibungen zwischen 600 und 900 Millionen Euro führte und die gesamte Sparte neu ausgerichtet werden musste.
Bilanz durch neue Anleihe gestärkt
Um die Refinanzierung auf eine breitere Basis zu stellen, platzierte ams-OSRAM Mitte Mai 2026 eine vorrangige Anleihe im Volumen von einer Milliarde Euro. Der Kupon liegt bei 7,250 Prozent, die Fälligkeit ist auf 2032 terminiert. Das Kapital dient laut Unternehmensangabe der Ablösung bestehender Verbindlichkeiten. Auf der ordentlichen Hauptversammlung Anfang Juni 2026 stimmten die Aktionäre sämtlichen Tagesordnungspunkten mit deutlicher Mehrheit zu, inklusive der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat – ein Signal, dass die Kapitalmarktstrategie des Managements intern breite Rückendeckung findet.
Mitte Mai hatte die US-Bank J.P. Morgan die Aktie zudem von „Neutral“ auf „Overweight“ hochgestuft und das Kursziel von 11,80 auf 23,60 Schweizer Franken verdoppelt. Als Begründung verwiesen die Analysten auf Potenziale im Bereich KI-Photonik. Die Einstufung liegt inzwischen mehr als zwei Monate zurück und lässt sich daher nicht als aktuelle Markteinschätzung lesen, zeigt aber, welche Erwartungen zum damaligen Zeitpunkt an die Neuausrichtung geknüpft wurden.
Kursrutsch trotz starkem Jahresverlauf
Auf dem Kurszettel zeigt sich das Bild zweigeteilt. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 114,37 Prozent im Plus, getrieben von der Erholung nach dem historischen Tief im Dezember 2025. Zuletzt hat sich der Wind jedoch gedreht: Der aktuelle Kurs von 18,05 Euro liegt 32,40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro, das Ende Mai 2026 markiert wurde. Die jüngste Talfahrt kommt damit ausgerechnet in einer Phase, in der der Konzern operativ mehrere Baustellen abgeschlossen hat – Verkäufe, Refinanzierung und Hauptversammlung liefen weitgehend geräuschlos.
Fundamental hatte ams-OSRAM zuletzt für das Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro sowie einen erstmals wieder positiven freien Cashflow ausgewiesen und für 2025 einen freien Cashflow von über 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Ob der eingeleitete Portfolioumbau diese Entwicklung stützt, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen.
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