ams-OSRAM Aktie: Klagen gegen Refond wegen sechs Patenten

ams-OSRAM verklagt Refond wegen LED-Patenten und treibt die Entwicklung von microLED-Arrays für AR-Brillen voran. Der Konzern meldet solide Q2-Zahlen, leidet aber unter einem schwachen Free Cashflow.

Auf einen Blick:
  • Patentklagen gegen Refond eingereicht
  • microLED-Arrays nähern sich Produktionsreife
  • Neue Geschäftsbereiche für Digital Photonics
  • Umsatzplus von 3,9 Prozent im Q2

ams-OSRAM geht juristisch gegen die Verletzung seiner Schutzrechte vor und treibt gleichzeitig den technologischen Umbau des Konzerns voran. Mit der Einreichung von Patentklagen im Bereich der LED-Technologie signalisiert das Unternehmen Entschlossenheit bei der Verteidigung seiner Marktposition in der Automobilindustrie.

Klagen wegen Patentverletzungen im Automotive-Bereich

Am 13. August reichte ams-OSRAM zwei Patent-Infringement-Klagen gegen den Distributor Refond Optoelectronics in Deutschland ein. Gegenstand der juristischen Auseinandersetzung sind sechs Patente, die zentrale Technologien für Automotive-LEDs betreffen.

Das Unternehmen fordert neben Schadensersatz auch eine Injunktion sowie den Rückruf und die Vernichtung der betroffenen Produkte. Dieser Schritt unterstreicht die Bedeutung des geistigen Eigentums für den Halbleiterhersteller, der erhebliche Ressourcen in die Entwicklung spezialisierter Lichtlösungen investiert.

Parallel dazu bereitet der Konzern den nächsten technologischen Sprung vor. Die Entwicklung von microLED-Arrays für Augmented-Reality-Smart-Glasses (AR) nähert sich laut Unternehmensangaben der Produktionsreife. Diese Technologie gilt als Schlüsselkomponente für künftige Generationen tragbarer Computer-Schnittstellen.

Strategische Neuausrichtung auf digitale Photonik

Zur Beschleunigung dieser Entwicklungen hat ams-OSRAM zum 1. Juli neue, dedizierte Geschäftsbereiche für Digital Photonics gegründet. Ziel dieser Strukturreform ist es, die Strategien in den Bereichen AI-Photonics und intelligente Brillen effizienter umzusetzen. Damit reagiert die Konzernleitung auf die steigende Nachfrage nach optischen Sensoren und Lichtquellen, die in Rechenzentren für künstliche Intelligenz und in modernen Endgeräten zum Einsatz kommen.

Bereits im Mai 2026 hatten Analysten von Jefferies in einer Studie das erhebliche Potenzial dieser Märkte hervorgehoben. Sie trauten der Technologie im Bereich der Smartbrillen und KI-Rechenzentren ein Volumen in Milliardenhöhe zu und bezeichneten das Papier zu diesem Zeitpunkt als günstig bewerteten Wert im Sektor. Die Aktie konnte im laufenden Jahr bereits deutlich an Boden gewinnen und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von 120 Prozent.

Finanzielle Konsolidierung und Analystenstimmen

Anfang August legte das Unternehmen das Zahlenwerk für das zweite Quartal vor. ams-OSRAM erzielte einen Umsatz von 805 Millionen Euro, was einem Anstieg von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das bereinigte EBITDA lag bei 136 Millionen Euro, während die entsprechende Marge mit 16,9 Prozent das obere Ende der zuvor ausgegebenen Prognose erreichte. Trotz dieser operativen Solidität belastete ein Nettoverlust von 121 Millionen Euro die Bilanz.

Analysten der UBS bezeichneten das Ergebnis Anfang August als solide und stellten steigende Gewinnschätzungen in Aussicht. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) lobte zwar das Wachstum im Kerngeschäft, kritisierte jedoch gemeinsam mit Analysten von Vontobel den schwachen Free Cashflow, der im zweiten Quartal bei minus 119 Millionen Euro lag. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2026 war hier noch ein Plus von 37 Millionen Euro verzeichnet worden.

Die finanzielle Flexibilität soll durch den bereits zum 1. Juli abgeschlossenen Verkauf des Geschäfts mit Nicht-Optischen Sensoren an Infineon gestärkt werden. Die Transaktion brachte rund 570 Millionen Euro ein. Ein Teil dieser Mittel soll für den Rückkauf von Anleihen verwendet werden, die in den Jahren 2027 und 2029 fällig werden.

Das Management strebt an, bis zum Jahr 2027 zu einem positiven Free Cashflow zurückzukehren. Aktuell notiert die Aktie bei 18,55 Euro und liegt damit weiterhin deutlich über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 13,45 Euro.

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