Ams Osram hat die eigene Refinanzierung weitgehend abgeschlossen. Was fehlt, ist eine Unterschrift aus Bonn — und die könnte den nächsten großen Schritt in der Schuldengeschichte des Konzerns auslösen.
Anleihe platziert, Kredit verlängert
Der Konzern hat seine neue Anleihe mit einem Volumen von 1 Milliarde Euro erfolgreich am Markt platziert. Die Nachfrage war hoch genug, um das ursprünglich geplante Volumen zu erhöhen. Die Schuldverschreibungen laufen bis Mai 2032 und tragen einen Kupon von 7,25 Prozent.
Die Mittel fließen direkt in den Schuldenabbau. Ams Osram löst damit eine 750-Millionen-Dollar-Anleihe vollständig ab und tilgt einen Teil einer weiteren Milliarden-Euro-Anleihe. Beide trugen zweistellige Zinssätze. Hinzu kommt eine verlängerte revolvierende Kreditlinie, die nun bis September 2028 läuft — mit Option auf September 2030.
Das Ziel: Die jährlichen Finanzierungskosten sollen bis 2028 von bis zu 300 Millionen Euro auf unter 150 Millionen Euro sinken.
Infineon-Deal wartet auf grünes Licht
Der wichtigste Einzelschritt fehlt noch. Ams Osram verkauft sein nicht-optisches Sensorgeschäft für Automotive, Industrie und Medizin an Infineon — für 570 Millionen Euro in bar. Das Bundeskartellamt prüft den Deal seit dem 3. März 2026. Eine Entscheidung wird noch in diesem Quartal erwartet.
Infineon übernimmt dabei Produkte, geistiges Eigentum sowie Test- und Laborausrüstung, aber keine Fertigungsanlagen. Ein mehrjähriges Lieferabkommen bleibt Teil der Vereinbarung.
Bei positiver Entscheidung sinkt der Verschuldungsgrad von 3,3 auf rund 2,5. Das ist der Hebel, auf den Anleger warten.
Operatives Geschäft liefert
Das Kerngeschäft läuft stabil. Im ersten Quartal 2026 erzielte Ams Osram 796 Millionen Euro Umsatz bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,5 Prozent. Das Halbleitergeschäft wuchs auf vergleichbarer Basis um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ende März lagen liquide Mittel von 1,317 Milliarden Euro in der Kasse.
Für das zweite Quartal plant der Konzern einen Umsatz zwischen 725 und 825 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei rund 15,5 Prozent liegen. Am Jahresziel hält das Management fest: freier Cashflow von über 300 Millionen Euro für 2026.
Strategisch arbeitet Ams Osram an Photonik-Komponenten für KI-Anwendungen und Augmented Reality. Im Smart-Glass-Segment sieht der Konzern einen möglichen Komponentenanteil von 50 bis 100 Euro je Gerät — bei breiter Marktdurchdringung ein mittelfristig dreistelliger Millionenumsatz.
Heute verliert die Aktie 3,35 Prozent auf 20,20 Euro — nach einer Sieben-Tage-Rally von über 17 Prozent kein ungewöhnlicher Rücksetzer. Seit Jahresbeginn steht noch immer ein Plus von 137,65 Prozent. Der nächste Impuls kommt aus Bonn.
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