Ein enttäuschender Ausblick aus den USA schickt Schockwellen durch Europas Halbleitersektor. Broadcom verfehlte mit seiner Prognose für KI-Chips die höchsten Erwartungen. Die Quittung folgte prompt. Ams Osram verlor massiv an Wert und steht nun vor einer wegweisenden Hauptversammlung.
Der Schlusskurs vom Freitag bei 18,65 Euro spricht eine klare Sprache. Die Papiere von Ams Osram brachen um 17,11 Prozent ein. Damit reagiert der Markt auf den verhaltenen Ausblick des US-Riesen Broadcom. Trotz des heftigen Rücksetzers bleibt das langfristige Bild positiv. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Titel noch immer ein Plus von rund 119 Prozent.
Countdown zur Hauptversammlung
Drei Handelstage nach dem Kurseinbruch trifft sich das Management. Am 10. Juni 2026 findet die ordentliche Hauptversammlung im österreichischen Premstätten statt. Ein zentraler Punkt auf der Tagesordnung betrifft die Führungsspitze. Der Aufsichtsrat schlägt vor, die Mandate von Andreas Gerstenmayer und Arunjai Mittal zu verlängern. Beide sollen bis zur Hauptversammlung 2029 im Amt bleiben.
Parallel dazu treibt der Konzern seinen Umbau voran. Der Verkauf der nicht-optischen Sensoren an Infineon hängt nur noch an der Kartellprüfung. Dieser Deal spült rund 570 Millionen Euro in die Kassen. Insgesamt rechnet das Management aus allen Verkäufen mit Erlösen von 670 Millionen Euro.
Im Mai besorgte sich das Unternehmen frisches Kapital am Markt. Eine neue Anleihe über eine Milliarde Euro ersetzt teure Altlasten. Bisher belasteten Papiere mit über zwölf Prozent Zinsen die Bilanz. Bis 2028 will Ams Osram die jährlichen Finanzierungskosten so auf unter 150 Millionen Euro halbieren.
Neues Kerngeschäft Photonik
Operativ setzt Ams Osram massiv auf digitale Photonik. Eine neue Technik mit speziellen Lichtleitern soll die Datenübertragung in KI-Rechenzentren beschleunigen. Ein erster Prototyp wird bereits für die Serienreife weiterentwickelt. Zeitgleich verbucht der Konzern erste Aufträge für Systemkomponenten in smarten Brillen.
Das erste Quartal lieferte eine solide Basis. Der Umsatz erreichte 796 Millionen Euro bei einer operativen Marge von 16,5 Prozent. Für das laufende zweite Quartal peilt das Management Erlöse von bis zu 825 Millionen Euro an. Die Rendite soll dabei leicht sinken.
Das Jahresziel für den freien Cashflow liegt bei über 300 Millionen Euro. Dieser Wert hängt stark von den ausstehenden Verkaufserlösen ab. Erst ab 2027 plant Ams Osram auch operativ mit einem positiven Mittelzufluss. Am 10. Juni muss der Vorstand auf der Hauptversammlung beweisen, dass dieser Zeitplan hält.
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