Ams Osram hat am 4. August Zahlen vorgelegt, die das obere Ende der eigenen Prognose erreichten. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 auf 805 Millionen Euro, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getragen wurde das Wachstum von den Sparten Automotive und Industrie.
Am Aktienmarkt zeigt sich das Papier robust: Am Freitag schloss es bei 20,30 Euro, nach einem Zuwachs von 20 Prozent in den vergangenen 30 Tagen und einem Plus von 141 Prozent seit Jahresbeginn.
Solides Umsatzwachstum, aber schwächere Marge
Trotz des Umsatzplus geriet die Profitabilität unter Druck. Das bereinigte EBITDA fiel um 6,2 Prozent auf 136 Millionen Euro, die Marge sank um 190 Basispunkte auf 16,9 Prozent.
Deutlicher fiel der Einbruch beim freien Cashflow aus: Er lag bei minus 119 Millionen Euro, verglichen mit minus 14 Millionen Euro im Vorjahresquartal und einem positiven Wert von 37 Millionen Euro im ersten Quartal 2026.
Für das dritte Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,0 Prozent, mit einer Schwankungsbreite von 1,5 Prozentpunkten.
Die Jahresprognose 2026 bestätigte ams Osram im Wesentlichen, rechnet allerdings mit einem leichten Umsatzrückgang – bedingt durch abgeschlossene Veräußerungen und einen schwächeren US-Dollar. Zusätzlich belasten Restrukturierungskosten und höhere Edelmetallpreise die Marge. Für 2027 stellte das Unternehmen einen Weg zurück zu positivem freiem Cashflow in Aussicht.
Analysten sehen Potenzial trotz Cashflow-Delle
Mehrere Analysehäuser reagierten am 4. August positiv auf die Zahlen. Die Analysten von Jefferies hoben Fortschritte im Bereich Digital Photonics hervor und bezeichneten ams Osram als „günstigste Aktie im globalen Halbleitersektor“ mit „erheblichem Kurspotenzial“. Sie sehen langfristig Milliardenpotenzial durch neue Lichttechnologien für Smartbrillen und KI-Rechenzentren.
Die Zürcher Kantonalbank sprach von einem „sehr positiven“ Kerngeschäft mit 13 Prozent Wachstum und sah das Unternehmen „weiterhin auf gutem Weg“. Auch die UBS bezeichnete das Zahlenwerk als solide und rechnet infolge der Ergebnisse und des Ausblicks mit steigenden Gewinnschätzungen für 2026.
Kapitalmaßnahmen und strategische Weichenstellung
Parallel zu den Zahlen kündigte ams Osram ein pro-rata öffentliches Rückkaufangebot im Umfang von 120 bis 150 Millionen Euro an. Es richtet sich an Inhaber der Wandelanleihe 2027 und der Senior Notes 2029 und soll innerhalb von 120 Tagen nach Abschluss des Infineon-Deals umgesetzt werden.
Dieser Deal, der zum 1. Juli abgeschlossen wurde, brachte dem Unternehmen 570 Millionen Euro in bar für den Verkauf des nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäfts ein. Rund 230 Mitarbeiter wechselten im Zuge der Transaktion zu Infineon.
Zum selben Stichtag richtete ams Osram eine eigene Geschäftslinie für Digital Photonics ein, um die Innovations-Pipeline schneller voranzutreiben. Diese Sparte gilt als Kern der Wachstumshoffnungen im Bereich AR-Brillen und Rechenzentren-Optik, auf die auch die jüngsten Analystenkommentare abzielen.
Kursbild bleibt volatil
Das Papier notiert derzeit rund 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro, das im Mai erreicht wurde, liegt aber 175 Prozent über dem Tief vom Dezember.
Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 88 Prozent bleibt die Aktie ein Papier für risikobereite Anleger. Der Kurs notiert derzeit rund 5 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine intakte kurzfristige Aufwärtsbewegung hindeutet.
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