Amrize kommt nicht aus der Kursschwäche heraus. Die Aktie des Baustoffkonzerns schloss am Freitag bei 38,68 Euro, ein Plus von 1,7 Prozent zum Vortag – doch das ändert wenig am übergeordneten Bild. Binnen 30 Tagen hat das Papier 11 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 18 Prozent.
Nur 3,1 Prozent trennen den aktuellen Kurs vom 52-Wochen-Tief bei 37,50 Euro, das erst am 25. August markiert wurde. Zum 52-Wochen-Hoch von Ende Februar fehlen dagegen 31 Prozent.
UBS startet Coverage mit Hold
Die Schweizer Großbank UBS hat am Mittwoch die Beobachtung von Amrize aufgenommen und vergibt ein Hold-Rating. Die Einstufung reiht sich in eine Serie vorsichtiger bis skeptischer Analystenreaktionen der vergangenen Wochen ein.
Bereits Anfang August hatte die Royal Bank of Canada das Papier auf Underperform zurückgestuft und das Kursziel von 60 auf 48 US-Dollar gesenkt; RBC begründete den Schritt mit deutlich reduzierten Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre. Truist zog Mitte August mit einer Abstufung auf Hold nach und kappte das Kursziel ebenfalls auf 48 Dollar.
Auch Stephens und Bank of America senkten ihre Kursziele im Laufe des Monats, auf 54 beziehungsweise 50 Dollar. Optimistischer bleiben JPMorgan und Deutsche Bank, die ihre Kursziele in Schweizer Franken zuletzt sogar leicht anhoben und an Overweight- beziehungsweise Buy-Empfehlungen festhielten.
Enttäuschende Margen belasten das Sentiment
Der Auslöser der Abstufungswelle liegt in den Zahlen zum zweiten Quartal. Amrize steigerte den Umsatz zwar um 8,6 Prozent auf 3,494 Milliarden US-Dollar und den Nettogewinn um 14,4 Prozent auf 476 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA legte jedoch nur um 5,8 Prozent auf 986 Millionen Dollar zu und verfehlte damit die Konsenserwartung von Analysten – die bei rund 1,010 Milliarden Dollar lag – deutlich.
Die EBITDA-Marge von 28,2 Prozent blieb spürbar unter der von Analysten erwarteten Marge von 30,0 Prozent. Das Unternehmen hob zwar seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 12,5 bis 12,7 Milliarden Dollar an, doch die Margenschwäche überschattete diesen positiven Ausblick am Markt.
Kurz nach den Zahlen musste Amrize zudem Korrekturen an früheren Finanzberichten vornehmen. Betroffen war die Rechnungsabgrenzung erweiterter Gewährleistungen aus den Übernahmen von Duro-Last und Malarkey. Das Unternehmen bewertete die Korrekturen als nicht wesentlich.
Führungswechsel und Insiderkäufe als Gegengewicht
Während die Analystenstimmung kippte, kaufte das Management der Führung eigene Aktien. Mitte August erwarben die President Building Materials, Jaime Hill, und der Chief People Officer, Clark Stephen S., Aktienpakete zu Kursen um 47 US-Dollar. Auch auf Verwaltungsratsebene kam es Mitte August zu Zukäufen in Schweizer Franken, zuletzt zu einem Kurs von 37,97 Franken pro Titel.
Personell sorgte zudem ein Wechsel an der Konzernspitze für Aufmerksamkeit: Samuel J. Poletti übernahm zum 24. August den Posten des Chief Financial Officer, nachdem sein Vorgänger Baris Oran aus persönlichen Gründen zurückgetreten war.
Poletti hatte seit dem Börsengang im Juni 2025 als Chief Strategy and M&A Officer den Spin-off von Amrize aus dem Schweizer Baustoffkonzern Holcim mitgetragen und bringt damit tiefe Kenntnis der Unternehmensstruktur mit.
Amrize zahlte am Mittwoch eine Quartalsdividende von 0,11 US-Dollar je Aktie aus, nachdem die Aktie bereits am 18. August ex Dividende gehandelt worden war. Insgesamt hatte der Konzern im zweiten Quartal 502 Millionen US-Dollar an Aktionäre zurückgegeben, aufgeteilt in Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen.
Die nächste Bilanz wird für den 3. November erwartet – dann zeigt sich, ob die im Juli vereinbarte Übernahme des Betonproduzenten Rapid Redi-Mix in der Region Dallas-Fort-Worth erste Impulse liefert.
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