Amrize kämpft mit einem Vertrauensverlust an den Finanzmärkten. Während die Konzernführung durch personelle Neubesetzungen im Finanzressort und bei den Investorenkontakten versucht, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern, zeigten sich führende Analystenhäuser am Mittwoch skeptisch.
Die Vorsicht der Experten stützt sich vor allem auf die hohe Fluktuation im Management und eine Serie verfehlter Gewinnziele: In vier der fünf Quartale seit dem Börsengang im Juni 2025 blieb das Unternehmen hinter den Markterwartungen zurück.
Massive Herabstufungen durch US-Großbanken
Die Analysten von JPMorgan senkten am Mittwoch ihr Rating für den Baustoffhersteller von „Overweight“ auf „Neutral“. Gleichzeitig korrigierte das Haus das Kursziel von 57,00 auf 52,00 US-Dollar nach unten. Noch deutlicher fiel das Urteil der Bank of America aus: Die Experten stuften das Papier von „Neutral“ auf „Underperform“ herab und setzten das neue Kursziel bei 40,00 US-Dollar fest.
Als Gründe für die negativen Einschätzungen nannten die Institute neben einer Wachstumsverlangsamung vor allem den anhaltenden Margendruck in der Roofing-Sparte (Building Envelope). Zudem verwiesen die Analysten auf potenzielle Risiken bei der Entwicklung der Zementpreise. Die Nachricht traf den Markt in einer Phase, in der die Aktie ohnehin unter Druck steht und seit Jahresbeginn einen Wertverlust von 20 % verzeichnet hat.
Umbau im Finanzressort und bei Investor Relations
Die personelle Unruhe im Unternehmen trägt zur Verunsicherung der Anleger bei. Erst am 24. August übernahm Samuel J. Poletti den Posten des Chief Financial Officer (CFO). Sein Vorgänger Baris Oran war nach nur rund fünf Monaten im Amt aus persönlichen Gründen ausgeschieden. Poletti, der zuvor als Leiter für Strategie sowie Fusionen und Übernahmen tätig war und den Holcim-Spin-off begleitete, soll nun für Kontinuität sorgen.
Flankiert wird dieser Wechsel durch weitere Neubesetzungen. Am Dienstag ernannte Amrize Zane Nielsen zum neuen Chief Accounting Officer. Zudem verstärkt sich der Konzern im Bereich der Kapitalmarktkommunikation: Am kommenden Dienstag wird Dillon Cumming sein Amt als Vice President Investor Relations antreten.
Cumming wechselt von Walleye Capital zu Amrize und verfügt über langjährige Erfahrung im Sektor für Industriemaschinen und Bauwesen, unter anderem durch eine frühere Tätigkeit bei Morgan Stanley.
Operativer Druck trotz Umsatzwachstums
Trotz der strukturellen Herausforderungen konnte Amrize im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 8,6 Prozent auf 3,494 Milliarden US-Dollar erzielen. Ein deutlicher Zuwachs zeigte sich insbesondere im Bereich der Building Materials sowie beim Zement-Volumen, das um 5 Prozent auf 6,3 Millionen Tonnen stieg. Dennoch geriet die Profitabilität unter Druck: Die operative Marge sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 29 Prozent auf 28,2 Prozent, was das Unternehmen primär mit gestiegenen Fracht-, Diesel- und Rohstoffkosten begründete.
In der Folge passte das Management die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 an. Zwar wurde das Umsatzziel leicht auf eine Spanne zwischen 12,5 und 12,7 Milliarden US-Dollar angehoben, doch beim bereinigten EBITDA gab das Unternehmen faktisch nach.
Hier wird nun ein Wert zwischen 3,1 und 3,2 Milliarden US-Dollar erwartet, nachdem zuvor in der Spitze bis zu 3,4 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt worden waren. Am Aktienmarkt wird das Unternehmen aktuell mit 20,16 Milliarden Euro bewertet. Mit einem Schlusskurs von 37,70 Euro notiert das Papier derzeit 11 % unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.
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