Ein Krebsmedikament, das bislang erst nach dem Therapieversagen zum Einsatz kommt, könnte bald deutlich früher greifen. Amgen hat auf dem europäischen Krebskongress ESMO in Madrid die vollständigen Phase-3-Daten zu Imdelltra in der Erstlinien-Erhaltungstherapie vorgestellt. Die Ergebnisse sind laut Unternehmen so stark, dass sie die Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms verändern könnten.
Deutlicher Überlebensvorteil
In der Studie DeLLphi-305 erhielten Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkrebs entweder Imdelltra plus AstraZenecas Imfinzi oder Imfinzi allein. Die Kombination senkte das Sterberisiko um 58 Prozent (Hazard Ratio 0,42). Das mediane Gesamtüberleben stieg auf 21,1 Monate, verglichen mit 12,7 Monaten unter Imfinzi allein.
Nach einem Jahr lebten knapp 80 Prozent der Patienten mit Kombination, in der Kontrollgruppe waren es 53 Prozent. Das progressionsfreie Überleben lag bei 7,4 gegenüber 1,9 Monaten. Der Vorteil zeigte sich auch bei Patienten mit Hirn- oder Lebermetastasen.
Die Daten wurden zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Zu beachten: Es handelt sich um eine Interimsanalyse, die Nachbeobachtung dauert an. Der Studienleiter hält eine weitere Verbesserung der 21-Monats-Marke für möglich.
Verträglichkeit und Praxistauglichkeit
Schwere Nebenwirkungen traten unter der Kombination häufiger auf, schwere Treatment-bezogene Ereignisse bei gut einem Fünftel der Patienten gegenüber rund einem Zehntel. Das Zytokinfreisetzungssyndrom blieb meist mild, es gab nur einen Fall dritten Grades. Schwere Neurotoxizität (ICANS) trat nicht auf.
Auch die Logistik verbessert sich: Die Überwachungszeit nach der Infusion sank in der Studie auf ein bis zwei Stunden. Anfangs waren es 22 bis 24 Stunden. Kürzere Überwachung könnte mehr Kliniken die Anwendung ermöglichen. In den USA ist Imdelltra bereits an mehr als 2.000 Behandlungszentren verfügbar, zwei Drittel davon außerhalb großer Krebszentren.
Kommerzielles Potenzial
Für Amgen geht es um Umsatz. Imdelltra erzielte im zweiten Quartal 288 Millionen Dollar, ein Plus von 115 Prozent. Marktbeobachter sehen das Präparat auf dem Weg zum Blockbuster mit über einer Milliarde Dollar Jahresumsatz. Die aktuelle Zulassung beschränkt sich auf Patienten nach Platin-Chemotherapie, allein in den USA gelten rund 40.000 Patienten als behandelbar.
Amgen will die Daten nun rasch bei Zulassungsbehörden weltweit einreichen und hat sie bereits den Leitlinien-Gremien übermittelt. Parallel laufen Phase-3-Studien zur Induktionstherapie in der Erstlinie (DeLLphi-312) und zum begrenzten Krankheitsstadium (DeLLphi-306). Zudem testet der Konzern Kombinationen mit Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten sowie eine subkutane Gabe. Ein konkretes Datum für die Zulassungseinreichung nannte das Unternehmen nicht.
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