Amdocs hat am Mittwoch Quartalszahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick nach einem Gewinneinbruch aussehen — und gleichzeitig einen der größten Verträge der Firmengeschichte verkündet. Beides gehört zusammen: Ein Sonderposten frisst den GAAP-Gewinn auf, während im Hintergrund die nächste Wachstumsphase eingeläutet wird.
Restrukturierung drückt den ausgewiesenen Gewinn
Der Umsatz im dritten Fiskalquartal 2026 (bis Ende Juni) legte auf 1,175 Milliarden Dollar zu, ein Plus von 2,7 Prozent im Jahresvergleich und genau im Rahmen der eigenen Prognose. Der GAAP-Gewinn je Aktie brach dagegen auf 0,59 Dollar ein, nach 1,39 Dollar im Vorjahresquartal. Grund ist eine Restrukturierungsbelastung von 106 Millionen Dollar, die allein 0,91 Dollar je Aktie kostete.
Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, zeigt sich ein anderes Bild. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg auf 1,84 Dollar, die operative Marge auf Non-GAAP-Basis blieb mit 21,6 Prozent stabil. Das Servicegeschäft lief so gut wie nie zuvor: Managed Services erreichten mit 791 Millionen Dollar einen Rekordwert und stellen inzwischen 67 Prozent des Gesamtumsatzes.
Der Auftragsbestand für die kommenden zwölf Monate wuchs um 2,7 Prozent auf 4,26 Milliarden Dollar. Amdocs kaufte im Quartal zudem eigene Aktien im Wert von 143 Millionen Dollar zurück. Der Verwaltungsrat beschloss am Mittwoch außerdem die nächste Quartalsdividende von 0,569 Dollar je Aktie, zahlbar am 30. Oktober 2026 an Aktionäre, die am 30. September 2026 im Register stehen.
Liberty Latin America als Kronzeuge der neuen Strategie
Der eigentliche Paukenschlag des Tages ist ein Zehnjahresvertrag mit Liberty Latin America. Der Telekomkonzern übergibt sein komplettes IT-Ökosystem an Amdocs, gesteuert über die neue „Agentic Operating System“-Plattform aOS. Amdocs-Chef Shimie Hortig präsentierte parallel eine neue Vier-Säulen-Strategie, in der aOS als Kernstück fungiert — ergänzt um neue Branchenverticals, aufkommende GenAI-Geschäftsfelder und eine interne Transformation zum „agentic-first“-Unternehmen.
Der Deal mit Liberty Latin America gilt firmenintern als erster großer Beweis für dieses neue Geschäftsmodell und erweitert zugleich die Präsenz in Lateinamerika und der Karibik spürbar. Dass Amdocs im operativen Geschäft weiter zulegt, zeigen zwei weitere Ankündigungen vom selben Tag: Der österreichische Telekomanbieter A1 hat seine Abrechnungs- und Katalogsysteme auf Microsoft Azure umgestellt, der brasilianische Anbieter Vivo hat sein Servicevertrag verlängert und auf die neue Plattform CES2X aufgerüstet.
Für das laufende vierte Quartal rechnet Amdocs mit einem Umsatz zwischen 1,175 und 1,215 Milliarden Dollar sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,94 bis 2,00 Dollar. Die Jahresprognose für den Umsatz wurde auf ein Wachstum von 3,2 bis 4,0 Prozent eingeengt, während die GAAP-Gewinnprognose wegen der Restrukturierungskosten von zuvor plus 12 bis 15 Prozent auf minus 3 bis minus 5 Prozent kippte. Das freie Cashflow-Ziel von 710 bis 730 Millionen Dollar für das Gesamtjahr bleibt dagegen unverändert bestehen.
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