AMD hat im zweiten Quartal erstmals einen x86-Client-CPU-Marktanteil von mehr als 30 Prozent erreicht. Laut Mercury Research kletterte der Anteil auf 30,3 Prozent, im Desktop-Segment sogar auf 34,9 Prozent, im Mobilbereich auf 28,9 Prozent. Das ist ein Rekordwert für den Chiphersteller – und er gelang trotz eines insgesamt schwachen Marktumfelds.
Denn die Desktop-CPU-Auslieferungen brachen im selben Zeitraum um 20 Prozent ein, belastet durch hohe Komponentenkosten. AMD gewann seinen Marktanteil also nicht durch Marktwachstum, sondern indem es Konkurrenten Boden abnahm – während Intel den Laptop-Markt Berichten zufolge mit Millionen zusätzlicher CPUs flutet. Im Servergeschäft, dem eigentlichen Wachstumstreiber, legten die Auslieferungen dagegen um 20 Prozent zu.
Analysten erhöhen die Latte für das KI-Geschäft
Parallel zur Marktanteils-Meldung hebt Raymond James seine Einstufung für die Aktie auf „Strong Buy“ von zuvor „Outperform“ an und erhöht das Kursziel auf 641 US-Dollar von 565 US-Dollar.
Begründet wird der Schritt mit dem Ausblick auf den Server-CPU-Markt, den das Analysehaus bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 44 Prozent auf rund 201 Milliarden US-Dollar wachsen sieht. Auch andere Häuser haben ihre Ziele zuletzt spürbar angehoben: Benchmark nennt inzwischen 685 US-Dollar, Roth MKM und Jefferies jeweils 650 US-Dollar.
Rückenwind liefert die Helios-Plattform, die laut Berichten inzwischen in Produktion ist und ab September ausgeliefert werden soll. Als Abnehmer werden Anthropic mit einem Volumen von bis zu 2 Gigawatt sowie OpenAI, Meta und Microsoft Azure mit Kapazitäten von jeweils bis zu 6 Gigawatt genannt. Wells Fargo rechnet für 2027 mit einem Data-Center-GPU-Umsatz von 40,6 Milliarden US-Dollar.
Kursreaktion fällt verhalten aus
Trotz der positiven Analystenstimmen kam die Aktie zuletzt unter Druck: Am Montag schloss sie in den USA bei 456,75 US-Dollar, ein Minus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vortag.
Im deutschen Handel notiert das Papier heute bei 403,60 Euro und legt damit um 3,2 Prozent zu – nach einem Schlusskurs von 391,25 Euro am Vortag. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 443,52 Euro fehlen der Aktie derzeit noch rund 9 Prozent.
Der Rücksetzer der vergangenen Handelstage fällt in ein Umfeld, in dem Chipwerte insgesamt unter Druck gerieten – ausgelöst durch eine neu entfachte Debatte über die Finanzierungsrisiken milliardenschwerer KI-Investitionen, wie sie etwa im Zusammenhang mit Broadcom diskutiert wird. Auch Nvidia und Speicherhersteller wie Micron und SK Hynix gaben deutlich nach.
Personalie im Board
Neben dem operativen Newsflow gibt es auch eine personelle Veränderung: AMD hat Tim Ryan, bei der Citi für den Technologiebereich zuständig, in den Vorstand berufen. Joseph Householder scheidet nach elf Jahren aus dem Gremium aus, KC McClure übernimmt den Vorsitz des Audit- und Finanzausschusses.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert AMD mit Rekord-Marktanteilen und wachsenden Wachstumszielen der Analysten weiter Argumente für die Wachstumsstory. Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen zeigt jedoch, dass der Markt angesichts hoher Bewertungen und branchenweiter Finanzierungssorgen zunehmend nervös auf jede neue Nachricht reagiert.
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