Ein Tag nach dem heftigsten Kursrutsch seit Jahren meldet sich AMD kräftig zurück. Die Aktie legte im Mittagshandel um knapp 9,9 Prozent zu und holte damit einen großen Teil des Vortagesverlusts von 17,3 Prozent wieder auf. Auslöser der Gegenbewegung ist eine Neubewertung der Quartalszahlen, die am 3. November kamen.
Starke Zahlen, nervöser Markt
Der Umsatz im dritten Quartal erreichte 13,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 45 Prozent zum Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft verdoppelte sich nahezu auf 8,5 Milliarden Dollar. Für das vierte Quartal stellt AMD rund 17 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, was in der Mitte der Spanne etwa 66 Prozent Wachstum entspräche.
Konzernchefin Lisa Su betonte im Call, die Nachfrage übersteige das Angebot. Die Marktreaktion kommentierte sie knapp: Der Markt könne kurzsichtig sein, aber es sei, wie es sei.
Der Ausverkauf am Donnerstag fiel in ein Umfeld, in dem Sorgen vor schärferer KI-Regulierung nach den US-Zwischenwahlen die Kurse im Sektor belasteten. Marktbeobachter sprachen von der schwächsten Einzelsitzung der Branche seit 2020. Der Nasdaq rutschte zeitweise in eine Korrektur.
Analysten stützen die Erholung
Jefferies bezeichnete den Rückschlag als „reaktiv, kein fundamentaler Reset“. Morgan Stanley hob das Kursziel an und erhöhte die Umsatz- und Gewinnschätzungen für 2027. Die Bank verweist auf das starke Geschäft mit Server-Prozessoren. Optimistische Kursziele liegen bei rund 608 Dollar.
Im Rechenzentrumssegment gewinnen EPYC-Serverchips und Instinct-KI-Beschleuniger weiter Marktanteile. Genau darauf richteten institutionelle Investoren nach der Volatilität ihren Blick.
Rückenwind kam zudem vom Gesamtmarkt. Der Nasdaq Composite stieg um mehr als 1,4 Prozent. Der US-Arbeitsmarktbericht fiel mit 165.000 neuen Stellen deutlich besser aus als die erwarteten 59.000, die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent.
Regulierung bleibt der Unsicherheitsfaktor
Die Erholung löst das Grundproblem nicht. Die neue demokratische Mehrheit im Kongress droht mit Untersuchungen gegen Tech-Konzerne und mit restriktiveren Vorgaben für stromhungrige KI-Rechenzentren. Genau dieser Punkt hatte den Abverkauf angeheizt. Ob sich daraus konkrete Gesetzesvorhaben entwickeln, ist offen.
Fundamental zeigen die Zahlen und die Prognose von AMD allerdings in die andere Richtung. Hält die Nachfrage über dem Angebot, dürfte der Konzern das Q4-Ziel von rund 17 Milliarden Dollar als Messlatte vor sich haben.
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