AMD-Aktien fallen am Montag um 2,35 Prozent auf 403,40 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 7,35 Prozent. Der Grund: Investoren positionieren sich vor dem Quartalsbericht, den der Chiphersteller am Dienstag nach Börsenschluss vorlegt.
Der Report könnte zum entscheidenden Ereignis für die Aktie in diesem Quartal werden. Nach einem Sommer voller Ausschläge – erst ein Sprung auf Rekordhöhen, dann ein scharfer Rückzug – hängt viel an diesem einen Termin.
Der Chipsektor bremst, AMD mit ihm
Seit Mitte Juni pausiert die gesamte Halbleiterbranche. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor bis Freitagmittag rund 20 Prozent. AMD spiegelt diese Schwäche fast eins zu eins: Die Aktie liegt 21,16 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 511,70 Euro vom 30. Juni und rangiert rund zehn Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Der technische Zustand wirkt angespannt. Der RSI notiert bei 42,7 – ein Hinweis auf nachlassenden Kaufdruck, aber kein extremes Verkaufssignal.
Optionsmärkte erwarten heftigen Ausschlag
Derivatehändler rechnen mit Turbulenzen. Optionspreise deuten auf einen zweistelligen prozentualen Kursausschlag nach den Zahlen hin. Das zeigt, wie viel nach dem dramatischen Kurslauf der vergangenen Monate auf dem Spiel steht.
Auch Prognosemärkte positionieren sich. Auf der Plattform Polymarket zeigen sich Trader überzeugt, dass AMDs Rechenzentrumsumsatz im zweiten Quartal die Marke von 6 Milliarden Dollar übertrifft. Diese Schwelle ist kein Zufall: Im Vorquartal hatte AMD einen Gesamtumsatz von 10,3 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Rechenzentrumsumsatz war damals um 57 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar gestiegen.
Die eigene Prognose des Unternehmens setzt die Erwartungen hoch an. AMD rechnet für das zweite Quartal mit Umsätzen von 11,2 Milliarden Dollar, plus oder minus 300 Millionen. Das entspräche einem Jahreswachstum von 46 Prozent und einem Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Die Wall Street traut dem Konzern sogar noch mehr zu. Der Zacks-Konsens liegt bei 11,32 Milliarden Dollar Umsatz und 1,61 Dollar Gewinn je Aktie – ein impliziertes Jahreswachstum von 47,3 Prozent.
Worauf Analysten jetzt achten
Zwei Produktlinien stehen im Zentrum der Erwartungen: die EPYC-Serverprozessoren und die Instinct-KI-Beschleuniger. Steigende Nachfrage nach Inferenz-Workloads, mehr Unternehmens-KI-Projekte und höhere Cloud-Ausgaben sollen die Auslieferungen der Instinct-GPUs angetrieben haben.
Der Wettbewerbsdruck wächst parallel dazu. Nvidia dominiert weiterhin bei KI-Grafikprozessoren, Intel kämpft aggressiv um verlorene Marktanteile bei Serverprozessoren zurück, und Broadcom baut seine Position bei kundenspezifischen KI-Chips aus.
Zwei große Partnerschaften stützen die Stimmung trotz der Kursschwäche. Im Juli kündigte AMD eine Investition von bis zu 5 Milliarden Dollar in Anthropic an, den Entwickler des Claude-Chatbots. Bereits im Oktober hatte der Konzern eine Großvereinbarung mit OpenAI geschlossen – ChatGPTs Betreiber soll darüber 6 Gigawatt an AMD-Grafikprozessoren einsetzen.
Der Kursverlauf bleibt trotz Rückschlag beeindruckend
Der jüngste Rückzug relativiert sich im Jahresvergleich. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 119,22 Prozent im Plus, über zwölf Monate sogar mit 164,11 Prozent. Getrieben wurde diese Rallye vom Aufstieg der KI-Agenten, die für ihre Aufgaben auf leistungsstarke Prozessoren angewiesen sind – ein Trend, der Chips wie die von AMD für Hyperscaler wie Microsoft immer wichtiger macht.
Benzinga Edge Rankings platzieren AMD beim Wachstum im 97. Perzentil. Der kurzfristige Preistrend ist negativ, der mittel- und langfristige bleibt positiv.
Am Dienstag nach Börsenschluss fällt die Entscheidung. Guidance, Rechenzentrumsumsatz und die Kommentare des Managements zur KI-Nachfrage werden binnen 24 Stunden zeigen, wohin die Reise geht. Nach dem kräftigen Kursanstieg 2026 und der jüngsten Sektorkorrektur sind sowohl eine deutliche Erholungsrallye als auch ein erneuter Ausverkauf realistische Szenarien.
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