Amazon nach Zahlen gesucht: Zugpferd AWS liefert ab

Starke Zahlen, rasant wachsendes AWS-Geschäft und KI-Investitionen treiben Amazon. Der Konzern zeigt, warum er zu den Top-Profiteuren gehört.

Auf einen Blick:
  • Umsatz und Gewinn überraschen
  • AWS wächst besonders stark
  • KI-Investitionen als Treiber
  • Eigene Chips senken Kosten
  • Analysten sehen weiteres Potenzial

Liebe Leserinnen und Leser,

als Amazon Anfang Februar die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorlegte, waren diese auf den ersten Blick stark zwar stark, dennoch gab die Aktie am Folgetag rund 5,5% nach. Grund war, dass der freie Cashflow auf Jahressicht von 38,2 Mrd. auf nur noch 11,2 Mrd. Dollar eingebrochen war und weil Amazon gleichzeitig ankündigte, im laufenden Jahr rund 200 Mrd. Dollar in KI-Infrastruktur und Cloud-Kapazitäten zu investieren. Die Cashflow-Erwartungen mussten also deutlich gestutzt werden. Den Anlegern war das zu viel auf einmal, der Kurs geriet unter Druck und mit dem beginnenden Iran-Krieg und dem darauffolgenden Marktturbulenzen ging es im März weiter bergab. Wer die Schwächephase ausgesessen hat, wird jetzt belohnt. Allein auf Monatssicht legte die Amazon-Aktie eine bemerkenswerte Kursrally von knapp einem Drittel hin – und das, obwohl der Iran-Krieg die Märkte weiterhin in Atem hält.

Wie lässt sich das erklären? Ein wesentlicher Treiber dürfte das sogenannte Repositionierungskapital gewesen sein. Großinvestoren, die in der Schockphase des Kriegsbeginns Ende Februar massiv in sichere Häfen umgeschichtet hatten, erkannten zunehmend, dass Tech-Konzerne mit starkem Cloud-Geschäft weniger anfällig für geopolitische Versorgungsschocks sind als etwa die energieintensive Industrie. Amazon profitierte als einer der ersten von dieser Erkenntnis, weil das Index-Schwergewicht im historischen Vergleich günstig war. Hinzu kam die wachsende Überzeugung am Markt, dass die Zahlen für das erste Quartal stark ausfallen würden – und dieser Erwartungshaltung ist Amazon am vergangenen Mittwoch mehr als gerecht geworden.

Umsatz, Gewinn, Marge: Wichtigsten Größen besser als erwartet

Der Konzernumsatz kletterte im ersten Quartal 2026 um +17% auf 181,5 Mrd. Dollar nach 155,7 Mrd. im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Konsens mit 177,2 Mrd. gerechnet. Amazon übertraf diese Erwartung also um rund 4 Mrd. Dollar. Noch deutlicher fiel die Überraschung beim Gewinn aus: Der Gewinn je Aktie lag bei 2,78 Dollar, gegenüber 1,59 Dollar im Vorjahresquartal – ein Sprung von 75%. Die Analystenschätzung hatte bei lediglich 1,62 bis 1,64 Dollar gelegen.

Das Management hatte für Q1 operativ zwischen 16,5 und 21,5 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt; tatsächlich erzielte Amazon einen operativen Gewinn von knapp 24 Mrd. Dollar – damit wurde auch die Obergrenze der eigenen Prognose klar übertroffen. In einem Satz: Amazon hat klar mehr gezeigt als der Markt und der Bezos-Konzern selbst erwartet hat.

Amazon kommt aus dem E-Commerce-Bereich und ist dort nach wie vor unangefochtener Marktführer – der Löwenanteil des Konzernumsatzes entfällt auf das Online-Handelsgeschäft. Im E-Commerce-Kerngeschäft läuft es auch weiterhin rund, so stieg das Stückzahlenwachstum im ersten Quartal auf 15% – der höchste Wert seit dem Ende der Corona-Lockdowns.

AWS: Schnellstes Wachstum seit 15 Quartalen

Das Herzstück der Amazon-Investitionsstory ist indes seit einigen Jahren die Cloud-Sparte AWS, die zwar nur rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes beisteuert, aber den Großteil des operativen Gewinns erwirtschaftet und das Wachstum des Konzerns maßgeblich antreibt.

Im ersten Quartal erzielte AWS einen Umsatz von 37,6 Mrd. Dollar, nach 29,3 Mrd. im Vorjahr – ein Wachstum von 28%. Das ist die schnellste Wachstumsrate seit 15 Quartalen und übertraf die Konsensschätzung der Analysten von 36,6 Mrd. ebenfalls. Besonders bemerkenswert: Der operative Gewinn bei AWS stieg von 11,6 auf 14,2 Mrd. Dollar – und lag damit weit über den erwarteten 12,8 Mrd. Dollar, die Analysten auf dem Zettel hatten.

Eigene Chips als Trumpfkarte gegen Nvidia

Bemerkenswert ist auch, was Amazon im Chip-Geschäft aufbaut. Der Konzern entwickelt seit einiger Zeit eigene KI-Prozessoren – allen voran den Trainium-Chip für das Training von KI-Modellen sowie den Inferentia-Chip für deren Betrieb. Ziel ist es, sich damit im Cloud-Geschäft unabhängiger von Nvidia zu machen, schließlich gehört der Chip-Bedarf zu den kostspieligsten Posten.

Hochgerechnet auf das Gesamtjahr erwirtschaftet das hauseigene Chip-Geschäft bereits über 20 Mrd. Dollar Umsatz, bei dreistelligem Wachstum im Jahresvergleich. Für AWS bedeutet das mittelfristig erhebliche Kosteneinsparungen, denn wer die Schlüsselkomponenten seiner eigenen Infrastruktur selbst baut, ist nicht abhängig von anderen und zahlt auch keine Aufschläge an Dritte.

Analysten bescheinigen Amazon-Aktie noch viel Luft nach oben

Geschlagene Erwartungen konnte Amazon zuletzt auch im Werbegeschäft verkünden. Mit 17,2 Mrd. Dollar Quartalsumsatz wurde die Schätzung von 16,9 Mrd. knapp übertroffen, der rollierende Jahresumsatz im Werbesegment überschritt erstmals die Marke von 70 Mrd. Dollar.

Den Blick nach vorne gerichtet, stellte Amazon für das angelaufene zweite Quartal einen Umsatz zwischen 194 und 199 Mrd. Dollar in Aussicht; Analysten hatten bislang mit 189 Mrd. gerechnet. Operativ soll das Ergebnis zwischen 20 und 24 Mrd. Dollar liegen. Streng genommen wäre das eine Ergebnis-Stagnation, man muss aber berücksichtigen, dass der Ausblick für Q1 bei 16,5 bis 21,5 Mrd. Dollar lag. Daher kann man ruhig die obere Grenze als realistische Zielgröße ansetzen.

Die starken Zahlen haben positive Reaktionen in der Analystengemeinde ausgelöst. Citi hob das Kursziel um 10% an, JPMorgan zog nach und bezeichnete Amazon gleichzeitig als ihre beste Investmentidee für 2026. Sehr optimistisch schaut auch Mizuho auf das Papier und sieht den fairen Kurs bei 325 Dollar. Im Konsens von über 70 Analysten findet sich derzeit keine einzige Verkaufsempfehlung, lediglich 5 empfehlen nicht, die Aktie zu kaufen (Halteempfehlungen).

Amazon-Investitionen sollten kein Einstiegshindernis sein

Nach den starken Ergebnissen teile ich den Optimismus der Bank-Analysten. Die kurzfristigen Investitionskosten – der freie Cashflow leidet unter dem massiven KI-Infrastrukturaufbau – sind der Preis für eine überlegene Marktstellung beginnenden Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

Als erfahrener Anleger weiß man jedoch: Nur wer säht, kann auch ernten. Amazon-Aktionäre haben als eine gute Chance auf weiterhin starke Ergebnisse und überdurchschnittliche Kursgewinne.

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